Twister (USA 1996)

twisterDie Unwetterfront als Kinohappening. Jan de Bont macht´s möglich. Mit seinem Regiedebüt „Speed“ stieg der gebürtige Niederländer, der seine Karriere als Kamermann (u.a. „Stirb langsam“, „Basic Instinct“) begann, in Hollywoods Oberhaus auf. Darauf folgte „Twister“, ein Oscar-nominiertes Effektgewitter, das viel Kraft in die Tricks investiert und eine Plotte nahezu vernachlässigt. Dem Publikum schien das nur recht, schließlich sorgte es für satte Gewinne und reges Erstaunen darüber, dass ein Film auch ohne erkennbare Geschichte funktioniert.

In diesem Nichts an Handlung will der ehemalige Tornadoforscher Bill Harding (Bill Paxton, „Apollo 13“) eigentlich nur die Scheidungspapiere von Gattin Jo (Helen Hunt, „Besser geht’s nicht“) unterschrieben haben, lässt sich nebst der zickigen Neuverlobten (Jamie Gertz, „Still Standing“) aber in die Jagd nach dem nächsten Unwetter einspannen. Dabei nämlich soll ein von Bill mitentwickeltes Gerät zur detaillierten Analysierung des Sturminneren zum Einsatz kommen. So begibt er sich gemeinsam mit der alten Crew (u.a. Philip Seymour Hoffman, „Capote“) neuerlich in Lebensgefahr.

Natürlich ist das enorm klischeehafter Quatsch mit Soße, durch die sympathischen Figuren und den ohne Längen aufgetischten Mini-Plot aber ein ausgewachsenes Vergnügen. Dabei muss es natürlich zwischen den getrennten Eheleuten wieder funken, was die weniger sympathische Fast-Vermählte des heimlichen Draufgängers Bill alsbald aus dem Rennen wirft. Und weil die Tornados auch noch zwischen gut und schlecht unterscheiden können, kommt lediglich der arrogante Fatzke und Rivale der schnoddrigen Sturmjäger Cary Elwes („Bram Stoker’s Dracula“) nebst Fahrer zu Schaden. Strafe muss eben sein.

Am Ende kommt natürlich noch der legendäre Supersturm, auf den alle Beteiligten Zeit ihres Lebens gewartet haben und der das von Bill und Jo arg zu verkürzen droht, als er Zaunlatten zu todbringenden Geschossen umfunktioniert und ganze Häuser problemlos mit sich reißt. Die Computertricks galten einst als bahnbrechend. Heute sind es der (sichtbaren) Pixel sicher ein paar zu viel, überzeugend fliegen Kuh und Mähgerät aber noch immer über die Straßen. Intelligentes Kino sieht anders aus, ward an dieser Stelle jedoch niemals intendiert. Mindless Fun, nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger.

Wertung: (6 / 10)

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