True Justice: Urban Warfare (S. 1/Ep. 11+12) (USA/CDN 2011)

truejusticeurbanwarfareAuf seine alten Tage wird Steven Seagal („Einsame Entscheidung“) auch nicht beweglicher. Das gilt einerseits für den fülligen, im Nahkampf meist gedoubelten Leib, und andererseits das starre Antlitz, dem trotz des Mehr an Falten auch keine weiteren Gesichtsausdrücke zuzumuten sind. Die Qualität seiner Filme entspricht in der Regel den ihm eigenen mimischen Fähigkeiten – und auch die TV-Serie „True Justice“ erfährt durch Seagals Mitwirkung vor wie hinter der Kamera höchstens prominente Zugkraft mit B-Vorschub.

Je zwei Episoden der ersten Season wurden zu Spielfilmen gebündelt und separat in die Videotheken gespült. Dem Erfolg dürfte das zuträglich sein, an der überschaubaren Qualität rüttelt das jedoch nicht. Part sechs, „Urban Warfare“ betitelt, zeigt Seagals Elijah Kane nebst undercover operierendem Spezialisten-Team anfangs bei der Fahndung nach einem Serienvergewaltiger und Mörder. Das letzte Opfer war Lehrerin an einer Privatschule. Deren Direktor scheint etwas zu verbergen. Aber ist er wirklich der Schuldige?

Daneben gilt das Interesse aber vor allem Kane selbst, der von seiner undurchsichtigen Vergangenheit als Regierungsbeamter eingeholt wird. Als ihm zwei Killer auflauern, verleiht der Kampfkoloss dem Credo „erst schießen, dann fragen“ in gewohnter Manier Ausdruck. Er beginnt alte CIA-Kontakte abzuklopfen, das Motiv erschließt sich ihm jedoch vorerst nicht. Licht ins Dunkel bringt ein klischeehafter Rückblick nach Afghanistan, wo Kane mit angeleimtem Bart und ohne nachzuladen eine Horde (Top-)Terroristen auslöscht.

Die Kollegen ziehen derweil gegen schießwütige russische Diamantenschmuggler zu Felde, die die Konkurrenz mit Gewalt aus dem Geschäft drängen wollen. Der Weg zur Gerechtigkeit ist auch diesmal schmerzhaft. Aber es trifft ja stets die Richtigen, so dass der Zweck – wie so oft im Oeuvre Seagals – die Mittel heiligt. Trotz der wiederum hohlen Dialoge und flacher Figuren ist „Urban Warfare“ aber routinierte Thriller-Kost mit reichlich Action. Zum Highlight wird „True Justice“ damit auch in sechster Instanz nicht. Aber nach niveauvoller Unterhaltung wird die verbliebene Anhängerschaft Seagals auch kaum verlangt haben.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Monte Cristo (USA/GB/IRL 2002)

    „Monte Cristo“ ist bereits die 18. Verfilmung des klassischen Stoffs von Alexandre Dumas. In diesem spielt James Caviezel den Seefahrer Edmond Dantes, der von seinem besten Freund Mondego (Guy Pearce) in eine Falle gelockt und daraufhin zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Mondego ging es bei diesem Zug nicht nur um Macht, sondern auch um Dantes…

  • SPL – Kill Zone (HK 2005)

    „Infernal Affairs“ gab dem chinesischen Thriller seine Klasse zurück. Davor regierte zumeist Einheitsbrei, der die Ankunft in der Moderne über den visuellen Stil transportierte. Nur charakterliche Tiefe vermittelte er nicht. Dem Hongkong-Kino geht es da wie Hollywood – alle Geschichten sind erzählt, viele davon gleich dutzendfach. Und doch scheint sich der asiatische Markt allmählich zu…

  • Eine unbequeme Wahrheit (USA 2006)

    Als demokratischer Vizepräsident und Wahlverlierer begrub Al Gore den Traum vom höchsten Amt im amerikanischen Staate. Während Kontrahent George W. Bush fortan die Innenpolitik vernachlässigte und dem internationalen Terrorismus den Kampf ansagte, besann sich Gore auf seine Wurzeln als Umweltaktivist. Um auf die Gefahren der globalen Erwärmung aufmerksam zu machen, ersann er eine publikumswirksame Mischung…

  • Dirty Pretty Things – Kleine schmutzige Tricks (GB 2002)

    Absolut unverständlich erscheint, warum der beste Film des britischen Regisseurs Stephen Frears („The Snapper“, „Mary Reilly“, „High Fidelity“) seit Jahren bei uns nicht den Sprung ins Kino geschafft hat. Stattdessen wird „Dirty Pretty Things“ – in Deutschland kurzerhand in „Kleine schmutzige Tricks“ umtituliert – mit fast dreijähriger Verspätung als Verleihpremiere veröffentlicht. Zumindest danke dafür! Auf…

  • White House Down (USA 2013)

    Bereits zum zweiten Mal wird das Weiße Haus im Kino-Jahr 2013 nach den Regeln des Actionfilms demontiert. Doch nach dem ärgerlich reaktionären „Olympus Has Fallen“ schlägt „White House Down“ deutlich gemäßigtere Töne an. Dabei geht der von Schwaben-Spielberg Roland Emmerich („2012“) gedrehte Blockbuster fast als Gegenentwurf zu Antoine Fuquas hurra-patriotischer „Stirb langsam“-Variante durch. Das zeigt…

  • Metalbeast (USA 1995)

    Die manchen (B-)Filmen zugrundeliegende Prämisse ist herrlich abstrus. Das birgt Konfliktpotential. Soll man sich ob der bemerkenswerten Konsequenz nun vor Lachen auf dem Boden kringeln, oder vor ihr den Hut ziehen? Ein Beispiel, das diesen Zwiespalt mehr stützt als löst, ist „Metalbeast“ (US-Originaltitel: „Project: Metalbeast“, Alternativschreibweise: „Metal Beast“). Der Plot: ein Infernal des schlechten Geschmacks….