Troja (USA/GB/MT 2004)

trojaLange ist es her, als die Sandalenfilme der 50er und 60er sonntagnachmittags über die Mattscheibe flimmerten und Testosteron-Klumpen wie Steve Reeves in knappen Gewändern ihre Muskeln spielen ließen. Hollywood hatte zu jener Zeit kein großes Interesse, dieses einst erfolgreiche Genre wieder aufflammen zu lassen. Erst etliche Jahre später sollte der an der Kinokasse erfolgreiche und Oscar-prämierte „Gladiator“ eine Art Renaissance der beinahe vergessenen Gattung einläuten. Vor allem zwei Projekte bestimmten in den vergangenen zwei Jahren die Neuigkeiten aus der Traumfabrik. Da wäre einmal die Verfilmung des Lebens Alexander des Großen, vorgenommen von Oliver Stone. Vor diesem schickt der deutsche Erfolgs-Regisseur Wolfgang Petersen („Air Force One“) aber bereits zahlreiche Helden in die Schlacht um Troja, die in dieser Form das erste Mal auf großer Leinwand zu sehen ist.

Im Jahre 1193 vor Christus hat der machtgierige König Agamemnon (Brian Cox) so ziemlich alle Königreiche um ihn herum besiegt und regiert ein riesiges Reich. Einzige Ausnahme ist die Stadt Troja. Sein jüngerer Bruder Menelaos (Brendon Gleeson) ist des Kämpfens aber Müde und schließt mit Troja ein Friedensabkommen, das er in Form einer Feierlichkeit mit den beiden Prinzen Hector (Eric Bana) und Paris (Orlando Bloom) besiegelt. Der Stein kommt allerdings schnell ins Rollen, als Paris sich an Helena (Diane Kruger), Menelaos‘ Frau, heranmacht und sich beide ineinander verlieben. Helena entschließt sich auf Drängen von Paris, mit nach Troja zu kommen, jedoch unterrichtet Paris seinen Bruder Hector erst auf der Überfahrt von der gefährlichen Liaison.

Hector ist sich des Risikos bewusst, das die „Entführung“ von Helena mit sich bringt. Allerdings entschließt er sich dazu, die Entscheidung über das weitere Vorgehen seinem Vater Priamos (Peter O’Toole), dem König von Troja, zu überlassen. Dieser lässt Helena in Troja bleiben. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich jedoch bereits ein Heer von 50.000 Mann unter der Führung von Agamemnon und Menelaos auf dem Weg nach Troja. An der Seite Agamemnons kämpft auch Achilles (Brad Pitt), der als unbezwingbar gilt, jedoch auch ein äußerst gespaltenes Verhältnis zu seinem König hat und lediglich für Ruhm und Ehre in die Schlacht zieht.

Frei auf Homers Erzählungen basierend, erzählt Wolfgang Petersen in seinem filmischen Kraftakt eine der wohl größten und mythischsten Schlachten, die jemals geschlagen wurden. Auf göttlichen Beistand greift er jedoch nicht zurück. Während in „Ilias“ auch die Götter maßgeblich in den Krieg eingriffen, beschränkt sich Petersen auf die menschlichen Vertreter. Die eigentliche Thematik über Krieg, Liebe, Leidenschaft und jede Menge Pathos geht allerdings nicht verloren und wurde mit einem mehr als beachtlichen Budget von rund 200 Millionen Dollar in langen aber nie langweiligen 160 Minuten inszeniert. Während dieser Zeit nimmt sich Petersen etwa eine Stunde für die Vorgeschichte und Vorbereitung des Krieges, um seine namhafte Darstellerriege anschließend in eine vernichtende Schlacht zu schicken.

Im Mittelpunkt stehen dabei Eric Bana („Black Hawk Down“) als Hector und Brad Pitt („Fight Club“) als Achilles, die sich zudem das aufregendste und mitreißendste Duell des Films liefern. Während Bana der wohl positivste und sympathischste Charakter des Films ist, fürsorglicher Familienvater auf der einen, aber auch großer Krieger und Stratege auf der anderen, ist Pitt eher die Ausgeburt der Hölle. Ohne Skrupel und einen Anflug von Angst stürzt er sich leichtfüßig in die Schlacht und rafft selbst baumhohe Kämpfer mit einem Hieb zu Boden. Ihm geht es weniger um die Sache an sich, vielmehr ist sein einziger Gedanke, dass man sich seines Namens auch in 1.000 Jahren noch erinnert. Für seine Rolle verbrachte Pitt etliche Stunden im Kraftraum, ähnlich muskelbepackt hat man ihn wohl noch nie gesehen und selten zuvor hat er so viel Haut gezeigt.

Neben diesen beiden Helden zeigt auch Alt-Star Peter O‘Toole („Lawrence von Arabien“) eine starke Leistung und brilliert neben Pitt in einer der emotionalsten Szenen des Films. Gleiches gilt für Brian Cox („X-Men 2“) als unbarmherziger König Agamemnon und auch Sean Bean („Herr der Ringe“) liefert als Odysseus eine mehr als anständige Performance. Etwas blass hingegen bleibt das deutsche Model Diane Kruger als Helene, die inmitten des Schlachtengetümmels wenig Akzente setzen kann und beinahe vornehm im Hintergrund agiert. Den mimischen Offenbarungseid liefert jedoch Orlando Bloom („Herr der Ringe“) ab, der als verwöhntes Milchbrötchen Paris völlig fehl am Platze ist und sich gegen seine namhaften Kollegen in keiner Weise behaupten kann. Eine langweiligere Darstellung seiner Figur wäre wohl kaum möglich gewesen. Aber vielleicht hat er sein Spiel auch einfach dem Text angepasst, der sich weitgehend auf peinlich wirkende Liebesbekundungen beschränkt.

Doch auch der Rest der Schar – in Nebenrollen treten Rose Byrne, Saffron Burrows und Julie Christie in Erscheinung – hat teilweise arg mit dem Drehbuch von David Benioff („25 Stunden“) zu kämpfen. Allerdings retten die zahlreichen Schlachten den Film vor Schlimmerem. Dank großzügiger Computereffekte klonte Petersen seine Komparsen auf ein vielfaches zu einer unglaublichen Armee, die mit kompletter Stärke gegen die Mauern Trojas zieht. Die Schlachten, ob diese nun kleinere oder größere Dimensionen haben, sind großartig und aufwendig in Szene gesetzt. Wenn sie auch nicht über die Durchschlagskraft von „Gladiator“ oder „Der Herr der Ringe“ verfügen. Zu Ungestüm geht Petersen teilweise vor und das Blut wird recht unkontrolliert in der Gegend verspritzt. Doch inmitten des Getümmels kommt es auch immer wieder zu einzelnen Kämpfen großer Krieger, für die Petersen sich und den Akteuren die nötige Zeit und den nötigen Raum lässt.

Das Highlight ist dabei fraglos der Kampf von Hector gegen Achilles vor den Toren von Troja, bei dem es wie in einem perfekt choreografierten Ballett zugeht. „Troja“ hat eindeutig mehr Licht- als Schattenseiten und Petersen nutzt die Länge von epochalen 160 Minuten perfekt aus, keine Minute wirkt zu lang oder zu kurz. Große Namen und Helden werden in eine noch größere Schlacht geschickt, die manchmal trotz allem Pathos und aufkommender Emotionen ein wenig packender hätte sein können. Der letzte Funke fehlt, der einen guten zu einem großen Film machen würde. Und dennoch ist das Werk wie gemacht für die große Kinoleinwand.

Wertung: (6,5 / 10)

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