Traffic – Macht des Kartells (USA/D 2000)

traffic-macht-des-kartells„Traffic“ hat die Kritiker zu wahren Lobeshymnen hingerissen. Nur ist das viel Verkehr um nichts, haftet dem Film von Meisterregisseur Steven Soderbergh („Out of Sight“) doch ein Hauch dezenter Überbewertung an. Über 140 langatmige Minuten erzählt Soderbergh drei eigenständige Geschichten, in deren erster sich Benicio Del Toro als Polizist in einem mexikanisch-amerikanischen Grenzkaff seine Hilflosigkeit gegenüber den mächtigen Drogenkartellen eingestehen muss.

Die zweite zeigt Michael Douglas als obersten US-Drogenbekämpfer. Der muss herausfinden, dass seine 16-jährige Tochter ein Junkie ist. Die letzte Episode dreht sich um Catherine Zeta-Jones als von Geschäftspartnern ihres inhaftierten Drogenbaron-Gatten bedrohte Mutter.  Um ihren High-Society-Status aufrechterhalten zu können, nimmt sie die schmutzigen Geschäfte des Gemahls selbst in die Hand. Um möglichst erkennbar zu machen, in welchem Handlungsstrang man sich nun bewegt, griff der Regisseur auf unterschiedliche Farbgebung eines jeden Teilstücks zurück.

Die erforderliche Authentizität soll durch wacklige Handkamerabilder und kantige Schnitte erreicht werden. Eine dokumentarische Form verleihen diese Stilmittel dem Film allerdings nicht. Denn die Geschichten bleiben nicht allein spannungsarm, sondern auch verblüffend klischeehaft.  Vor allem die Episode um Douglas‘ Staatsdiener wirkt wie eine mittelprächtige Daily-Soap. Ein wenig verwundert dann doch, warum jeder halbwegs unkonventionelle Film in Hollywood gleich mit Oscars zugekleistert wird, während in Amerikas Underground-Szene viele hervorragende Werke kaum Beachtung finden.

Zwar mühen sich die Darsteller redlich und allen voran Benicio Del Toro („Das Versprechen“) überzeugt. Heraus reißt es die mit Tomas Milian („Amistad“), Dennis Quaid („Frequency“), Luis Guzman („Carlito’s Way“), Clifton Collins Jr. („Tigerland”), Benjamin Bratt („Miss Undercover“), Don Cheadle („Ocean’s Eleven“), Miguel Ferrer („The Night Flier“), Albert Finney („Miller’s Crossing“), James Brolin („Unternehmen Capricorn“) oder Salma Hayek („Desperado“) insgesamt erlesene Besetzung jedoch nicht. Hier stehen Ambition und Auskommen einfach in eklatantem Missverhältnis.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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