Tränen der Sonne (USA 2003)

traenen-der-sonneNachdem im krisengebeutelten Nigeria der regierende Präsident samt seiner Familie von Rebellen getötet wurde und die Macht nun auf Seiten der Aufständischen liegt, wird eine US-Navy-Einheit unter dem Befehl des erfahrenen Lieutnants A.K. Waters (Bruce Willis, „Stirb langsam”) mit einer Rettungsaktion im tiefsten Dschungel beauftragt. Dabei sollen Waters und seine Männer zu einer Mission vordringen und die dort ansässige amerikanische Staatsbürgerin und Ärztin Dr. Lena Kendricks (Monica Bellucci, „Pakt der Wölfe”) unter allen Umständen aus der Gefahrenzone schaffen. Vor Ort treffen die Soldaten aber auf eine nicht sonderlich kooperative Ärztin, die ihre zahlreichen „Schützlinge“ in der Mission nicht allein lassen will und auch die Tatsache, dass etliche Rebellen auf dem Weg zur Mission seien und mit Sicherheit alle Anwesenden töten würden, kann sie nicht überzeugen.

Erst als Waters ihr zusichert, zumindest alle gesunden Bewohner der Mission in Sicherheit zu bringen, stimmt Dr. Kendricks zu. Nachdem die große Gruppe den geplanten Abholpunkt ohne Feindkontakt erreicht, lässt Waters die Einheimischen unter starkem Protest Kendricks zurück. Auf ihrem Rückweg überfliegen sie die Mission, die in der Zwischenzeit von den Rebellen heimgesucht und komplett zerstört wurde. Dabei wurde ein Blutbad an allen dort noch befindlichen Menschen angerichtet. Von diesen Bildern schockiert, gibt Waters entgegen seinem Kommandanten Captain Rhodes (Tom Skerritt, „Alien”) den Befehl, die Zurückgelassenen wieder einzusammeln und in Sicherheit zu bringen. Weitere Hubschrauber können Waters und seinen Männern jedoch nicht zur Verfügung gestellt werden und so muss sich die Gruppe zu Fuß zur Grenze nach Kamerun durchschlagen.

Zu Beginn von Antoine Fuquas („Training Day“) Kriegs-Drama „Tränen der Sonne“ bekommt der Zuschauer in dokumentarischen Bildern einen kurzen Überblick über die politische Situation der folgenden 130 Minuten. Unschuldige werden auf offener Straße von Rebellen regelrecht abgeschlachtet, was den Einsatz der „Weltpolizei“ USA filmgemäß rechtfertigt. In diesem Zusammenhang lässt dann auch der Werbeslogan „Er wurde trainiert, um Befehlen zu folgen. Er wurde ein Held, als er sie brach” schlimmste pathetische und patriotische Fahnenschwenker der jüngeren Zeit (wie „Windtalkers“ oder „Wir waren Helden“) erahnen. Doch glücklicherweise verfällt Fuqua nicht auch diesem stumpfen Hurra-Patriotismus, sondern schafft es zumindest für eine gewisse Zeit, ein verzweifeltes Kriegsportrait vor exotischer Kulisse auf die Leinwand zu zaubern.

Die Amerikaner, die sich in jeden Brandherd der Welt werfen, werden in „Tränen der Sonne“ in Form einer kleinen Spezial-Einheit verkörpert. Die Figurenzeichnung der Soldaten beschränkt sich dabei aber fast ausschließlich auf die Person von Willis’ Elitesoldat. Erst nach und nach kommen auch die anderen Personen der Einheit zu Wort bzw. deren Gefühle und Gedanken werden dem Zuschauer offengelegt. Willis agiert hier mal wieder als wortkarger „Held“, wenn er auch erst später in diese Rolle hineinwächst. Vom knallhart kalkulierenden Kämpfer zum Befehle ignorierenden Menschenretter ist es allerdings doch eine Ecke weiter als hier dargestellt wird. Der Akt der Tötung Unschuldiger soll anhand dieses Beispiels sicherlich zeigen, dass man bei solchen Gräueltaten nicht zusehen, sondern handeln soll. Doch wirkt diese recht schnell vollzogene Handlung für den vorher so souverän auftretenden Willis überzogen.

Willis Nebenpart und moralische Spritze, Belluccis Menschenretterin, wirkt im dichten Dschungel wie ein Model für die nächste Fa-Werbung. Trotz tagelanger und ermüdender Märsche durch tiefstes Dickicht sitzt die Frisur genauso wie der Ausschnitt und auch die gefühlsmäßige Annäherung der beiden Hauptfiguren wirkt eher deplatziert. Die Action ist ordentlich inszeniert, wenn auch recht spärlich und bis auf den letzten Teil des Films auch nicht unbedingt aufwendig. Kleinere Scharmützel oder Schusswechsel im Dschungel werden von den Soldaten präzise wie routiniert über die Bühne gebracht, groß angelegte Explosionen oder minutenlange Kugelhagel sucht man vergeblich. Einzig die letzten 20 Minuten ragen Action-technisch heraus, doch hier verfällt Fuqua in typische Strickmuster altbackener Kriegsepen und zeigt eine Überzahl von Feinden, die gegen eine Handvoll Leute marschiert. Hier wird geschossen und gestorben, wobei ein gesundes Verhältnis zwischen den beiden Seiten nicht zu erkennen ist. Die „Bösen“ werden, wie man es in Hollywood-Kriegsfilmen meist gewohnt, ist barbarisch, unmenschlich und völlig ohne Gefühle dargestellt.

Fuqua trennt strikt zwischen der Geschichte des Films und einem realen Hintergrund, der bis auf die dokumentarischen Bilder zu Beginn nicht in den Film eingefügt wird. Politik wird somit nicht gemacht, doch feuert der Regisseur leider in der letzten halben Stunde die ein oder andere gefühls- wie fahnentreue Salve auf den Zuschauer ab und wenn die letzten Soldaten halb zerschossen vom hohen Vorgesetzten beherzt in den Arm genommen werden, wartet man nur noch auf die wehende US-Flagge im Hintergrund. Nichtsdestotrotz hat Fuqua mit „Tränen der Sonne“ ein stellenweise gutes Drama vor kriegerischer Kulisse geschaffen, das zudem durch hervorragende Bilder, Kamerafahrten und der faszinierenden Natur Afrikas besticht. Auch die Darstellerleistungen gehen in Ordnung, Punktabzüge gibt es dafür für die zwar ambitionierte, aber übertrieben wie unglaubwürdige Geschichte. Und einen Feind, der nach typischen Hollywood-Klischees in Szene gesetzt wurde und der gegen eine Macht anrennt, an der er im Endeffekt nur zerschellen kann.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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