Toxpack – Friss! (2014, Better Than Hell Records)

toxpack-frissDer Sound von TOXPACK war immer einer von der Straße für die Straße. Dass diese aber irgendwann zu klein wird, zeigen Bands wie die BROILERS, die mittlerweile die großen Hallen der Republik füllen. Von einem Nacheiferungsprozess kann bei Betrachtung von „Friss!“, dem mittlerweile siebten Langspieler der Berliner keine Rede sein. Trotzdem wirkt alles eine Spur breiter und merklich gewachsen. Deutlich bleibt dabei jedoch stets das Bestreben, dem eigenen Wurzelwerk gerecht zu werden.

Nach instrumentalem Auftakt steht dafür bereits das hymnisch nach vorn rockende „Stillstand“, das neben zünftigem Mitgröl-Refrain eine positive Note mit sich bringt, die sich von den Durchhalteparolen vieler Deutsch-Rock-Combos erfreulich abhebt. Dass es dennoch wütend wuchtig zugeht, verdeutlichen der Titeltrack, das Anti-Nazi-Statement „Nichts hören, sehen, sagen“ (Gastsänger: Stephan Weidner von den BÖHSEN ONKELZ!) oder das den NSA-Abhörskandal thematisierende „Transatlantik Rendezvous“.

Ohne pathetisch angehauchte Selbstreflexion („Vergangen vergessen“, „Nichts bleibt wie es ist”) kommen auch TOXPACK nicht aus, doch überwiegt die gelungene Ausschöpfung des Hitpotenzials (insbesondere bei „Niemand“) bei (weitgehendem) Verzicht auf Publikumsappelle in „Du kannst alles schaffen“-Manier. Dass das alles nicht neu ist, singen sie in besagtem „Stillstand“ gleich selbst: „Das geht doch nicht, wie kann man nur, alles tausendfach gehört.“ Das stimmt zwar, von gehobener Klasse ist dieser Mix aus Rock und Punk mit rauer Straßenkante trotzdem.

Wertung: (7 / 10)

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