Tornado (MEX/I 1977)

tornado-cycloneEnde der Siebziger saß Mexikos Exploitation-Spezi Rene Cardona Jr. („Trommeln über dem Sklavencamp“) mal wieder der Schalk im Nacken. Was daraus wird, bewies der emsige Filmemacher im Laufe seiner Karriere zu Hauf: Rip-Offs internationaler Vorbilder und/oder überlanger Unsinn zwischen Blut und nackter Haut. Nicht selten erinnert das an die Gepflogenheiten des italienischen Kinos. Dass die beiden Vorzeige-Billigfilmnationen ihre (öhm) Kreativkraft bündelten, um Cardonas abgeschmackten Survival-Thriller „Tornado“ (Originaltitel: „Cyclone“) auf den Weg (eher aufs Wasser) zu bringen, passt da perfekt ins Bild.

Als Rezept diente die Blaupause des in Hollywood seinerzeit erfolgreichen Katastrophenfilms. Und weil auch der Kannibalismus (noch) ausreichende Gravitationskraft aufs internationale Publikum ausübte, wurde auch diese Thematik ins Skript gehämmert. Dessen Story ist schnell erzählt: Ein Wirbelsturm zieht über die Karibik und bringt neben einem Ausflugsboot mit Glasboden einen Fischkutter in die Bredouille. Zudem muss eine Passagiermaschine auf dem Wasser notlanden. Schlussendlich finden sich alle Überlebenden auf der Touristenschaluppe ein und drohen an Hunger und Durst dahinzusiechen.

Die Besetzung liest sich mit den Cardona-Stammkräften Hugo Stiglitz („Tintorera!“) und Andrés Garcia („SOS-SOS-SOS Bermuda-Dreieck“) sowie Carrol Baker („Andy Warhol’s BAD“), Arthur Kennedy („Das Leichenhaus der lebenden Toten“) oder „Hart aber herzlich“-Co-Star Lionel Stander durchaus prominent. Nur bleiben die Figuren trotz einer Laufzeit von fast zwei Stunden sträflich unausgebildet. Nicht einmal die üblichen Charakterklischees will der Film bedienen, so dass die Darsteller die meiste Zeit einfach auf beengtem Raum nebeneinander hocken und schwitzen. Konflikte werden bestenfalls angedeutet und vermeintliches Schock-Potenzial allein aus der moralischen Diskussion geschöpft, ob man dem Hungertod durch Verspeisen seiner Nächsten vorbeugen darf.

Erstes Opfer ist der Köter von Baker, dem in Großaufnahme die Kehle durchschnitten wird. Nach der Häutung sieht der nur plötzlich schwer nach Kaninchen aus. Den Puls treibt das kaum nach oben, verfügt der stinklangweilige Streifen doch über keinerlei Unterhaltungswert. Ein kurzes Schmunzeln entlocken die Inszenierung des Flugzeugabsturzes mit den übereinandergeworfenen (passagierlosen) Sitzreihen, der über Miniaturkulissen hinwegfegende Sturm oder dass die Baker die hochhackigen Treter auch nach Tagen auf dem Boot nicht ausziehen mag. Schade ist es lediglich um den Einsatz der Haie, die erst am Ende zum Einsatz kommen und die Reihen der Protagonisten über verfütterte Stoffbündel mit Gedärmeinlage so weit lichten, dass die Überlebenden bequem in ein kleines Wasserflugzeug passen. Ein echter Heuler!

Wertung: (2 / 10)

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