Time and Tide (HK 2000)

time-and-tideBereits im Vorfeld von Hongkongs Rückgabe an China wanderte manch Filmschaffender nach Amerika aus. Hollywood wirkte wie ein fernes Paradies, der Ausweg vor drohender Zensur und Verstaatlichung der Unterhaltungsindustrie. Fuß jedoch fassten in der Fremde nur wenige. Auch Tsui Hark, als Regisseur ein Visionär („Zu: Warriors From the Magic Mountain“), als Produzent ein Erfolgsgarant („A Better Tomorrow“), versuchte sein Glück, kehrte der Traumfabrik aber bereits nach „Double Team“ wieder den Rücken.

Dort inszenierte er mit „Time and Tide“ zum Jahrtausendwechsel eine entfesselte Achterbahnfahrt, die visuell besticht und inhaltlich verkümmert. Hark, der neben der Regie auch produzierte und das Drehbuch verfasste, erzählt die Geschichte des jungen Barkeepers Tyler (Nicholas Tse, „Wu Ji – Reiter der Winde“), der, nachdem er eine lesbische Polizistin geschwängert hat, beschließt, binnen eines Jahres so viel Geld wie irgend möglich zu verdienen und auszuwandern. Also verdingt er sich als Personenschützer beim illegal operierenden Ji (Anthony Wong, „Infernal Affairs“).

Bei einem seiner Aufträge lernt er Jack (Wu Bai, „New Police Story“) kennen, zu dem er eine flüchtige Freundschaft aufbaut. Die jedoch bringt ihn schon bald in akute Lebensgefahr, verbirgt sich hinter der Zufallsbekanntschaft doch ein Profikiller, der von seinem ehemaligen Auftraggeber, mehr noch dessen südamerikanischem Söldnerkommando, gejagt wird. Jack, bemüht seine ebenfalls schwangere Frau aus der Schusslinie zu nehmen, wagt die Flucht nach vorn – mit bleihaltigen Konsequenzen.

Diese an sich wenig komplexe Story überfüttert Hark mit Zeit- und Handlungssprüngen. Seine hippe, teils selbstverliebt wirkende Visualisierung versenkt einen roten Faden in der Flut hektischer, von wüsten Kamerafahrten und experimentellen -einstellungen gesäumter Bilder. Die zunehmend in den Vordergrund strebenden Actionszenarien beeindrucken, allen voran der lediglich von schwachen CGI-Explosionen überschattete Kleinkrieg in einem Wohnkomplex. Ideenreich werden dabei Kugeln verteilt und Blut verspritzt, was im Finale kaum mehr getoppt werden kann. Die kinetische Aufregung überwiegt – und macht die zum Teil eklatanten dramaturgischen Schwächen locker vergessen.

Wertung: (6,5 / 10)

scroll to top