Timber Falls (USA 2007)

timber-fallsÜberraschungen sind vom Backwood-Horror keine (mehr) zu erwarten. Der geneigte Connaisseur mörderischer Hinterwäldler ist daher meist schon zufrieden, wenn sich das Sterben im provinziellen Nirgendwo handwerklich sauber und weitgehend frei von dramaturgischen Peinlichkeiten präsentiert. „Timber Falls“ ist zwar weder originell noch außergewöhnlich, dafür aber straff inszeniert und in der Zuspitzung der Ereignisse nicht auf alibihafte Splatter-Exzesse ausgerichtet. Als einzige Abweichung von der blutigen Norm bleibt das Spiel mit Stereotypen.

Nachdem der Auftakt die altbackenen Zutaten von Marter, Pein und Flucht eines weiblichen Opfers durch den Wald verquirlt hat, werden mit Mike (Josh Randall) und Sheryl (Brianna Brown) die Hauptfiguren vorgestellt. Die erweisen sich entgegen der typischen Jugendkultur des Genres als sympathisch bürgerlich. Ein Wochenendtrip führt die beiden in einen Nationalpark, wo sie ungeachtet der Ratschläge des freundlichen Rangers die Pfade abseits der üblichen touristischen Routen wählen. Beim Liebesspiel im Unterholz werden sie von drei bewaffneten Rednecks überrascht, die sie einschüchtern und ihnen überteuerten selbstgebrannten Fusel aufzwingen, der Provokation jedoch keine Handgreiflichkeiten folgen lassen.

Nun ist es kein sensationeller Clou, dass die Backwood-Proleten die gängigen Erwartungen unterlaufen und sich nicht als jene Bestien erweisen, denen das Paar zwangsläufig anheim fallen muss. Auch wenn der Zuschauer dies, ebenso wie die Urlauber, glauben soll. Denn als sie nach einer Nacht im Zelt spurlos verschwindet, prügelt er in seiner Verzweiflung erst mal einem der zufällig seinen Weg kreuzenden Rednecks die Scheiße aus dem Leib. Nachdem er aber in eine Bärenfalle getreten ist, wird er von der gottesfürchtigen Ida (Beth Broderick) gefunden und gepflegt. Doch die Nächstenliebe ist nur ein Vorwand, um den fanatisierten Anhang der fundamentalistischen Christin zu erweitern.

Eingesperrt im Kellerverlies und bewacht vom entstellten Sohn Idas, sollen die eilig getrauten Gefangenen den Beischlaf vollziehen. Es folgt ein wenig spannender, dafür aber kompetent umgesetzter Kampf um Selbstbestimmung und Versehrtheit. Blutige Gewaltspitzen und ein partiell ruppiges Finale stellen letztlich auch die Gore-Fraktion zufrieden. Dennoch wirkt das Gesamtszenario zu bekannt, als dass Regisseur Tony Giglio („Chaos“) Eindrücke vermitteln könnte, die über die Laufzeit hinaus nachwirken könnten. Fast schon hilflos erscheint dahingehend der obligatorische Schlussschock. Solides Mittelmaß für all diejenigen, die von degenerierten Hinterwäldlern einfach nicht genug bekommen können.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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