Tiger on the Beat (HK 1988)

tiger-on-the-beat„A family recipe, a tonic. Bruce Lee passed it to Jackie Chan. Jackie passed it to Stallone. Stallone passed it to Alain Delon. Alain Delon passed it to Ti Lung. And Ti Lung passed it to me. Didn´t he pass it to you?“

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Gemessen an der deutschen Titelgebung zahlreicher Hongkong-Actioner grenzt die Umbenennung derer beizeiten allerdings an pure Wahrheitsverzerrung. Da wird John Woos „Just Heroes“ kurzerhand zu „Hard Boiled 2“, „In the Line of Duty“ zu „Ultra Force“ oder der originale „Ultra Force“ zu „Red Force 3“ – von der ominösen „Karate Tiger“-Reihe ganz zu schweigen. Ähnlich ergeht es da auch „Tiger on the Beat“, der vom deutschen Verleiher New Vision kurzerhand zur nicht existenten Fortsetzung von „Born Hero“ – der eigentlich „Legacy of Rage“ heißt – umfunktioniert wurde.

Eben jener „Tiger on the Beat“ ließ Autor Chi Tsang Kwok und Regisseur Liu Chia-Liang („Die 36 Kammern der Shaolin“, „Die Macht der Shaolin“) im Jahre 1988 ungeniert aus dem Fundus des amerikanischen Buddy-Movies räubern. Doch anstatt mit Nick Nolte und Eddie Murphy – oder wahlweise Mel Gibson und Danny Glover – muss der Zuschauer hier mit Hongkongs Superstar Chow Yun Fat („Hard Boiled“, „Tiger and Dragon“) und ´Le Frisur´ Conan Lee („Ninja Kommando“, „Prince of the Sun“) vorlieb nehmen. Der Rest ist die urtypische Verquickung von platten Kalauern und blutiger Gewalt.

Undercover-Cop Francis (Chow Yun Fat) hat nicht nur permanenten Ärger mit dem weiblichen Geschlecht, sondern auch mit seinem neuen Partner, dem hitzköpfigen Frischling Michael (Conan Lee). Gemeinsam werden die beiden auf einen kaltblütigen Gangster (Norman Tsui Siu Keung, „Zu – Warriors of the Magic Mountain“, „What Price Survival“) angesetzt, der sich unverhohlen ins internationale Drogengeschäft drängen will. Mit Mary Donna (Nina Li Chi, „A Chinese Ghost Story 3“, „Twin Dragons“) findet sich schnell eine Zeugin, doch wird diese von den Schergen des Verbrechers – darunter Gordon Liu („Die unschlagbaren Sieben“, „Kill Bill“) – ermordet, bevor Francis und Michael sie in Sicherheit bringen können. Überdies nehmen die Verbrecher Francis Schwester (Shirley Ng, „The Seventh Curse“) als Geisel, was das ungleiche Duo sichtlich unter Zugzwang setzt.

„Tiger on the Beat“ ist vom munteren Auftakt – inklusive Chow Yun Fats legendärem „Frühstück für Gewinner“, bestehend aus einem Dutzend roher Eier in einem Glas – bis zum knallharten Showdown eine amüsante Action-Komödie mit infantilem Humor und blutigen Shoot-Outs. Dabei müsste die beknackte Garderobe der herrlich überzogen agierenden Darsteller im Grunde das rigide Eingreifen der Sittenpolizei forcieren, spotten doch allein Chow Yun Fats vor dem Bauch verknotete Hawaii-Hemden jeglicher Beschreibung des guten Geschmacks. Überraschenderweise betreffen derlei modische Entgleisungen in diesem Falle nur peripher Conan Lees Haarpracht.

Chow Yun Fat spielt streckenweise gekonnt sein komödiantisches Talent aus („Don´t tell the boys that you got beaten. Just say you were bitten by a dog! It saves me from making a report.“), während Conan Lee größtenteils die Action zu meistern hat. In einer Nebenrolle als Drogendealer ist Phillip Ko zu sehen, der sich gleichermaßen als Regisseur („Angel on Fire“, „On the Run“) und Darsteller („Powerman 3“, „Magic Crystal“) einen Namen machen konnte. Daneben gibt es ein standesgemäßes Wiedersehen mit Shing Fui On („God of Gamblers“, „A Better Tomorrow 2“) und einen banalen Kurzauftritt von „Shaw Brothers“-Ikone Ti Lung („Das blutige Schwert der Rache“, „A Better Tomorrow“).

Zimperlich geht es bei „Tiger on the Beat“ trotz eher spärlich gesäter Action nicht zu, weshalb die deutsche Fassung auch um einige Szenen erleichtert wurde. Neben Phillip Kos Hinrichtung – der die Verstümmelung seiner Hand durch einen Feuerwerkskörper vorangeht – wurde der finale Kettensägen-Zweikampf zwischen Conan Lee und Gordon Liu entschärft. Der gröbste Einschnitt allerdings erfolgte in der wenig Rücksicht auf das weibliche Geschlecht nehmenden Sequenz, in der Chow Yun Fat die erboste Nina Li Chi in dessen Wohnung mit Schlägen und Tritten Malträtiert, unsanft durch einen Glastisch befördert und in der Badewanne unter Wasser taucht.

Neben „Lethal Weapon“ bedient sich der Film vor allem bei Peter Hyams zwei Jahre zuvor entstandenem Film „Running Scared – Diese zwei sind nicht zu fassen“ mit Billy Crystal und Gregory Hines in den Hauptrollen. Dies zeigt sich vor allem in der unverhohlen abgekupferten Szene, in der sich Conan Lee und Chow Yun Fat während einer Geiselnahme gezwungenermaßen ihrer Beinkleider entledigen müssen. „Tiger on the Beat“ ist ein völlig anspruchsloses Spektakel mit adäquaten Darstellern und starkem Showdown. So unterhaltsam wie belanglos, ist Hongkongs Antwort auf die US-Buddy-Movies allerdings nur eingefleischten Fans zu empfehlen. Denn weder der flache Humor noch die zum Teil harsche Gewalt fügen sich je zu einer homogenen Einheit zusammen.

Regisseur Liu Chia-Liang drehte zwei Jahre später eine Fortsetzung, wieder mit Conan Lee, anstelle von Chow Yun Fat jedoch mit Danny Lee in der Hauptrolle. In Deutschland wurde „Tiger on the Beat 2“ übrigens nie veröffentlicht, was Spekulationen um dessen teutonische Titelgebung dankbarerweise ausspart.

Wertung: (5 / 10)

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