Tierisch Wild (USA 2006)

tierisch-wildDie Tiere sind los im Animationsfilm. Schon wieder? Kaum ist der Nachhall der Dreamworks-Produktion „Madagascar“ verklungen, meldet sich Disney zu Wort und bringt seine eigene Version reiselustiger Zoobewohner auf die Leinwand. Ein Schlachtplan, der bereits bei der Gegenüberstellung von „Antz“ und „Das große Krabbeln“ (beide von 1998) funktionierte. Zwar weisen „Madagascar“ und „Tierisch Wild“, so der Name der jüngsten CGI-Humoreske, nur bedingte Parallelen auf, doch wird sich der konkurrierende Nachahmer zwangsweise am Vorreiter messen lassen müssen.

Hier ist Löwe Samson der unangefochtene Star des New Yorker Zoos. Im Schatten seiner heroischen Geschichten – nicht zuletzt seines markerschütternden Gebrülls – kann der aufbegehrende Filius Ryan nur die zweite Geige spielen. Als er dem Vater endlich beweisen will, was in ihm steckt, landet er zufälligerweise in einer Frachtkiste und wird verschifft. Unverzüglich bricht Samson auf, den Spross aus der unbekannten Wildnis zu retten. Begleitet wird er vom mürrischen Koala Nigel, der tumben Schlange Larry, dem überdrehten Eichhörnchen Benny und dessen Schwarm, der vornehmen Giraffendame Bridget. Dumm nur, dass Samsons Geschichten allesamt erfunden sind und er keinen blassen Schimmer davon hat, außerhalb der schützenden Gehege seinen Löwen zu stehen.

Die turbulente Odyssee der tierischen Helden funktioniert nach bekannten Muster. Der Vater-Sohn-Konflikt wirkt abgedroschen, der finale Zwist mit einer durchgeknallten Gnu-Sekte schlicht unbeholfen. In Sachen Originalität fällt „Tierisch Wild“ hinter „Madagascar“ deutlich zurück, da hilft auch das eingangs zelebrierte Curling-Duell mit Schildkröten als Spielsteinen wenig. Seine Stärken spielt der muntere, wohlgemerkt perfekt animierte, Film nur in der zeitweilig aberwitzigen Situationskomik – zumindest im englischen Ur-Ton – aus. Die obligatorische Rührseligkeit indes vermag Disney auch diesmal nicht abzustreifen, was neben Kalkulierbarkeit vor allem die humoristische Ausbremsung begünstigt.

Regie-Neuling Steve ´Spaz´ Williams, der zuvor digitale Effekte, unter anderem für „Terminator 2“ und „Jurassic Park“ schuf, gewinnt dem Thema des kulturellen Clashs wenig neues ab. Die Truppe verschlägt es von der fast menschenleeren Großstadt hinaus aufs Meer. Dem Transportschiff, an dessen Bord sich auch Ryan befindet, auf der Spur, erwartet die illustren Retter ein Dschungel voller Gefahren. Spannung kommt dabei kaum auf, ist der abenteuerliche Weg der Zootiere doch stringent vorgezeichnet. Von technischer Seite lässt „Tierisch Wild“ keine Wünsche offen, nur bürgt der Spagat zwischen oft infantiler Bespaßung und simpel konstruiertem Inhalt nicht für konsequent überzeugende Familienunterhaltung. Zumindest die kleinen Zuschauer dürften ihr Vergnügen finden.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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