THX 1138 (USA 1971)

thx-1138„Work hard. Increase production. Prevent accidents. And be happy.“

Bevor George Lucas mit „Star Wars“ zum König des Blockbusters aufstieg, versuchte er sich im Schub der New Hollywood-Ära an einem anderen, weit weniger bequemen Zukunftsentwurf. „THX 1138“ basiert auf einem Kurzfilm, den er während seines Filmstudiums drehte. Darin taucht er in die Funktionsweise eines totalitären Staatssystems ein, das die Individualität des Menschen abgeschafft hat. Lucas folgt den Fußstapfen von Bradbury und Huxley, wenn Namen durch Buchstabenfolgen ersetzt werden und die kahl geschorenen, in weiße Anzüge gehüllten Bürger als reine Arbeitsdrohnen ausgebeutet werden.

Ihre Gefügigkeit wird durch Drogeneinfluss gewährleistet. Emotionen sind ausgeschaltet, mit roboterhafter Stimme wird durch ein Portrait Jesu Kommerz statt Zwischenmenschlichkeit gepredigt. THX (Robert Duvall, „Der Pate“) fertigt in einer Fabrikanlage Roboter. Die Sicherheit ist kläglich, der Unfalltod wird in Überwachungszentralen lediglich statistisch erfasst. Mit LUH (Maggie McOmie, „Grand Junction“) teilt er eine Wohneinheit. Als sie seine Tabletten vertauscht und ihm damit die Augen öffnet, gerät er ins Visier der Staatsgewalt. Er wird eingesperrt und unter Zwang gefügig gemacht. Doch er kann fliehen, gehetzt von chromgesichtigen Polizeidroiden.

„I think I ran over a Wookie back there on the expressway.“

Die bittere Utopie verstört und fasziniert gleichermaßen. Für ihre Gefühle inhaftiert, werden THX und LUH getrennt. In Gruppen werden Gefangene in endlose Räume verfrachtet, die über keine Tiefe verfügen und einzig Flächen in strahlendem, klinisch kalten weiß bleiben. Dazu das Verhalten der freudlosen Menschen. Statt Handlungen werden nur Prozesse abgebildet. Eine stringente Geschichte erzählt Lucas nicht. Er vermittelt Einblicke in die Wirkungsweise der unterirdischen Gesellschaft. Bewegung kommt erst mit der Flucht des Sträflings auf. Sie führt ihn über Computerräume und Straßennetze der Freiheit entgegen. Aber welche Bedeutung hat sie?

Mit dem bunten Unterhaltungsüberfluss seiner späteren Werke hat „THX 1138“ nichts gemein. Lucas deutet an, dringt aber kaum in die Tiefe des gleichgültigen Machtgefüges vor. Darin liegt die große Stärke des Films. Seine Bitterkeit ist zeitlos. Am Ende übersteigt die Verfolgung des Flüchtigen das dafür bewilligte Budget. Also wird sie eingestellt. THX entkommt an die Oberfläche einer unwirtlichen Welt. Im Untergang einer glutroten Sonne wird er allein gelassen. Wie der Zuschauer, der sich selbst einen Reim auf dies unbequeme Stück Independent-Kino machen muss. Eine oft unterschätzte, brillant visualisierte Vision.

Wertung: (8 / 10)

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