Thumb – Exposure (1997, EMI)

thumbexposure„Feel me as I expose myself… as I explode!“ – ´Exposure´

Der deutsche Crossover lag bereits am Boden, als THUMB sich mit „Exposure” einen heuer unterschätzten Klassiker aus dem Ärmel schüttelten. Die Band um Skater-Größe Claus Grabke hatte mit dem selbstbetitelten Debüt – später unter dem Titel „Encore“ neuerlich aufgelegt – auf sich aufmerksam gemacht, Sympathien erspielt und Respekt eingeflößt. Ausgiebige Tourneen – unvergessen bleibt die ´98er-Visite mit 59 TIMES THE PAIN im Gepäck – und der Besuch der amerikanischen Vans Warped Tour waren die Folge. Dazwischen spielten sie mit „Exposure“ die beste Platte ihrer Bandgeschichte ein.

Im Gegensatz zum Erstling erscheint das Tempo erhöht, der Härtegrad hingegen leicht gemindert. Es wird weniger roh, dafür unverblümter und bar jeder Anbiederungsmentalität an ein Massenpublikum nach vorn gerockt. Grabkes Art des Gesangs – unverständlicherweise nicht selten mit DEFTONES-Sänger Chino Moreno verglichen – mit seinem mitunter theatralischen, leicht weinerlichen Unterton darf man getrost als Schwachpunkt betrachten. Doch ist es seine Kraft, die den Songs ihre Kanten schlägt. Nicht dass sich die Instrumentierung, gespickt mit den typisch dreckigen Scratch-Attacken, poliert präsentieren würde, das Gegenteil ist der Fall, doch standen und fielen THUMB bis zu ihrer Auflösung im Jahre 2005 mit der Präsenz ihres Frontmanns. Und der holte auf „Exposure“ zum (verhältnismäßig verblüffenden) Rundumschlag aus.

Was die Platte bis heute, zehn Jahre nach ihrer Veröffentlichung, so großartig macht ist das Gespür für die Umgehung der Klischees des Crossover. THUMB überraschten – und überraschen noch immer – mit ausgefeilten Melodien, die über die gewohnte Spielwiese der Symbiose von Alternative-Rock/Metal und gerappten Texten hinausreicht, ohne selbige völlig zu verleugnen, mehr noch zu vernachlässigen. Das Wechselspiel aus Melodie und Refrain erinnert eher an den Punk, wenn die alternative Marschrichtung auch allgegenwärtig erscheint.

In Serie prasseln Hits aus den Boxen, ohne ausgiebige Verschnaufpausen zu gewähren. Der Anspruch der Texte nährt sich aus Grabkes Lebenswandel, der den Vegetarier auch hier nicht im Schrank lassen will. Aber wer würde es ihm verübeln? Seine Statements klangen mitunter platt, jedoch nie frei von Authentizität. Auch daraus bezieht „Exposure“ seine Stärke. Die Songs wirken ehrlich, unverkrampft, gestützt durch die wuchtige Produktion geradezu beeindruckend. Die Refrains schaffen eine Eingängigkeit, die trotz anvisierter Gefälligkeit niemals aufgesetzt wirkt. Vielmehr ermuntern sie zum Einstieg. Der Auftakt „Break Me“, sein Nachfolger „Sell Myself“ oder „Values“ könnten dies kaum besser belegen. Ihre Sogwirkung hat die Scheibe auch eine Dekade nach ihrer Herstellung nicht eingebüßt. Der Crossover mag weitgehend begraben sein. Platten wie diese halten die Erinnerung in Ehren.

Wertung: (8 / 10)

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