Three Kingdoms – Der Krieg der drei Königreiche (HK/CN/ROK 2008)

three-kingdomsEin Blockbuster und nicht weniger als ein gemeinschaftliches Großprojekt chinesischer und südkoreanischer Filmschaffender sollte es werden. Und schlecht standen die Chancen für „Three Kingdoms“ beileibe nicht. Schon der klassischen Vorlage, der Ende des 14. Jahrhunderts von Luo Guanzhong verfassten „Geschichte der drei Reiche“, wegen. Für deren Verfilmung standen „Dragon Squad“-Regisseur Daniel Lee, neben einem stattlichen Budget, Stars wie Andy Lau und Maggie Q zur Verfügung. Doch können auch die nicht kaschieren, dass das aufwändige Historien-Epos nur bedingt hält was es verspricht.

Im dritten Jahrhundert herrscht Krieg zwischen den drei chinesischen Königreichen. Der junge Zhao Zilong (Andy Lau, „The Warlords“) schließt sich der Shu-Armee an und steigt ob seiner Tapferkeit und Kampfkunst schnell zum Truppenführer auf. Sein brüderlicher Kamerad Luo Pingan (auch für die Action-Szenen verantwortlich: Sammo Hung, „Kill Zone – S.P.L.“) beobachtet die Karriereschritte des Freundes mit Neid, schwört ihm über die Jahre aber beständig Treue. Als die Konflikte zwischen den Landesteilen auch nach zwei Jahrzehnten nicht beigelegt sind, soll eine Offensive der Shu Sieg und Einheit bringen.

Es ist schon beachtlich, dass Lee das komplexe Handlungsgeflecht gegen den Trend in deutlich unter zwei Stunden Spielzeit abhandelt. Fast zwangsläufig leidet darunter jedoch die charakterliche Tiefe. Die Figuren und ihre Motive bleiben vage, zeitliche Sprünge, deren größter besagte 20 Jahre, sorgen für narrative Unausgewogenheit. Im Vergleich zu John Woo, der sich für „Red Cliff“, seine Version des Stoffes, zwei Filme und rund vier Stunden Lauflänge gönnte, kanzelt Lee die Ereignisse episodisch und bis zum eher angedeuteten Finale ohne echten Zusammenhalt ab. Dafür aber mit reichlich Schlachtengetümmel, das Tradition und Moderne mit viel Blut vereint.

In der Fremde geraten die Shu in einen Hinterhalt und sind, dem Gegner zahlenmäßig weit unterlegen, gezwungen sich zu verschanzen. Feldherrin Cao Ying (Maggie Q, „Stirb langsam 4.0“), gegen deren Großvater der alternde Kriegsheld Zilong bereits in die Schlacht zog, will dessen Armee um jeden Preis vernichten – und weiß gar einen Verbündeten in den Reihen des Feindes auf ihrer Seite. Die Besetzung und die Inszenierung der Kampfgetümmel überzeugen, auch dank namhafter Co-Stars wie Ti Lung („A Better Tomorrow“). Regisseur Daniel Lee lässt zwischen den Scharmützeln schlicht die Klasse vermissen, um Action und Dramaturgie packend und mit der nötigen Wucht zu kombinieren.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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