Theilen – Niederbrennen Weitermachen (2025, RilRec, Raccoone Records)

Ein Album wie ein Stoßgebet in der Autobahnkirche. Und dass nicht nur, weil THEILEN (benannt nach dem Antifaschisten Fritz Theilen) der konstruierten Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf widerstreben und Musikschaffende aus beiden Städten in ihren Reihen versammeln. Wer die Band hüben oder drüben bereits live erleben durfte, weiß um die Energieausschüttungsgarantie ihres altschulisch geprägten Deutsch-Punks. Die bevorzugt politischen Texte werden aus weiblicher und männlicher Kehle herausgeplärrt. Dazu wird (auch melodisch) geknüppelt, was das Zeug hält. Wer sich von dieser Kurzcharakterisierung angesprochen fühlt, darf sich der Zielgruppe von „Niederbrennen Weitermachen“ zugehörig fühlen, dem Debütalbum des Fünfers.
Auf dem finden sich diverse Songs, die es live schon seit geraumer Zeit auf die Ohren gibt; etwa die bereits auf der 2020er-Demo vorgelegten „Rana Plaze“, „Brautstrauß“ und „Tür zu“ oder das in der Folge geschriebene „Lauf Jäger lauf“. Von „Tür zu“ gibt es neben der regulären (neu eingespielten) Version auch einen Elektro-Remix mit Nintendo-Flair. Das unterstreicht, wie auch „Bikepunx“ oder das erwähnte „Brautstrauß“, die ironische Seite von THEILEN. Überlagert wird die allerdings vom Politischen, das beim eröffnenden „Hadamar“ etwa an die Tötungsanstalt in der titelgebenden hessischen Stadt erinnert, in der das NS-Regime behinderte und psychisch kranke Menschen ermordete.
In „Dorfmatratze“ widmen sich THEILEN der sexuellen Ungleichmacherei, während „Aluhüte“ schon allein des Titels wegen keiner Erläuterung bedarf. Mit „Kein Freund, kein Helfer“ wird auch die Polizei mit einem krawalligen Ständchen bedacht. Das mag als Indiz dafür verstanden werden, dass die grundlegende Ausrichtung von Band und Musik altbekannt daherkommt. Dem ist auch in diesem Fall nicht zu widersprechen, allerdings sind Klänge wie diese – erst recht in einer solch rotzigen Darbietungsweise – in der gegenwärtigen sozialen und politischen Aufgewühltheit immer willkommen. Und bitter nötig!
Wertung:
(7,5 / 10)
