The Village – Das Dorf (USA 2004)

the-village-das-dorfMit „The Sixth Sense“ kreierte M. Night Shyamalan einen unaufdringlichen Meilenstein des Grusel-Thrillers. Mit „Unbreakable“ und „Signs“ untermauerte der indischstämmige Regisseur seinen Status als innovativster Angstmacher Hollywoods. Doch hat der Erfolg auch eine Kehrseite. Im Falle Shyamalans bedeutet dies die unabdingbar vom Publikum geforderte Mündung seiner Werke in ein möglichst überraschendes und unvorhersehbares Finale. So muss sich der versierte Filmemacher von Projekt zu Projekt gezwungenermaßen selbst überbieten, um den Reiz seiner kreativen Schaffenskraft aufrecht zu erhalten. Sein neuester Streich, der vielschichtige Thriller „The Village – Das Dorf“ bringt Shyamalan vorübergehend ins Straucheln und hebt die Welt des bescheidenen Meisterregisseurs im Endeffekt doch aus den Angeln.

In seinem fünften abendfüllenden Spielfilm dreht M. Night Shyamalan das Rad der Zeit mehr als ein Jahrhundert zurück und entführt den Zuschauer in ein kleines, von bedrohlichen Wäldern umschlossenes Dorf. Die bedingungslose Föderalisierung seiner Bewohner verdankt die abgeschiedene Ortschaft der steten Gefahr von außerhalb. Blutgierige Kreaturen, genannt „Die Unaussprechlichen“ forcieren die Einkasernierung der isolierten Dörfler. Aus steter Furcht vor den Bestien, die von der Farbe Rot scheinbar magisch angezogen werden, verlässt niemand die schützende Gemeinschaft. Als sich jedoch ein tragischer Unglücksfall um den aufrichtigen Lucius Hunt (Joaquin Phoenix, „Buffalo Soldiers“) ereignet, stimmt Dorfoberhaupt Edward Walker (William Hurt, „Gottes vergessene Kinder“) zögerlich zu, seine blinde Tochter Ivy (Bryce Dallas Howard, „Der Grinch“) durch den Wald zu entsenden, um medizinische Hilfe aus der nächsten Stadt zu holen…

Weniger ein für M. Night Shyamalan archetypischer Spannungsschürer, als vielmehr eine glänzend gespielte Allegorie auf gesellschaftliche Strukturen, funktioniert „The Village“ auf völlig differenter Ebene als die übrigen Werke des Regisseurs. Zwar schafft der Film eine eigentümliche Atmosphäre der Bedrohung, getragen von Roger Deakins („Fargo“, „A Beautiful Mind“) erhabener Bebilderung, doch zählt letzten Endes einzig das beachtliche Resultat in seiner komplexen Gesamtheit. Der nicht durchweg stimmige Plot fungiert lediglich als Mittler eines visionären Filmexperiments, welches kongenial mit der Erwartungshaltung des Betrachters spielt. „The Village“ sollte deshalb nicht auf das Genre des Horrorfilms reduziert werden, sondern als puristische Reflektion der immensen Ausdruckskraft von Erzählstrukturen, literarischer wie gleichwohl kinematographischer, verstanden werden.

Eindringlich gespielt, glänzen neben Bryce Dallas Howard, Tochter von Regisseur Ron Howard („A Beautiful Mind“), und Joaquin Phoenix, nach „Signs“ in erneuter Interaktion mit Shyamalan behaftet, große Namen wie Sigourney Weaver („Alien“), Adrien Brody („Der Pianist“), Brendan Gleeson (Gangs of New York“) und William Hurt. Abgerundet wird „The Village“ überdies durch den in bester Hitchcock-Tradition befangenen Kurzauftritt von Autor und Regisseur M. Night Shyamalan. Dem ist ein narrativer wie dramaturgischer Geniestreich gelungen, ein auf faszialer Deskription grundiertes Abbild soziologischer Verhaltensweisen. Als simpler Stimmungsmacher genügt der Film indes kaum, legt M. Night Shyamalan doch gewichtiges Augenmerk auf die Liebesgeschichte zwischen Lucius Hunt und Ivy Walker. So liegen Wirken und Scheitern eng verknüpft beieinander. Den Ausgang bestimmt allein die Erwartung des Zuschauers selbst.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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