The Vandals – Live Fast, Diarrhea (1995, Nitro Records)

Der Preis für den absurdesten Albumtitel geht an: „Live Fast, Diarrhea“. Mit diesem verorteten THE VANDALS die Messlatte Mitte der Neunziger so hoch (oder niedrig), dass dagegen selbst ihr späteres Prachtwerk „Hitler Bad, Vandals Good“ (1998) ins Hintertreffen gerät. Allerdings hat der vierte Studiolangspieler der Kalifornier deutlich mehr zu bieten als eine geschmackvolle Unterhaltung versprechende Überschrift. Hits zum Beispiel. Solche wie den Titeltrack, „And Now We Dance“ oder den vom auch produzierenden Gitarristen Warren Fitzgerald gesungenen Evergreen „I Have a Date“, der im Original von den weniger populären SIMPLETONES stammt.

Das Markenzeichen der Punk-Urgesteine ist seit der Gründung in den frühen Achtzigern der textliche Klamauk. Die VANDALS berauben das Sein mit beharrlicher Konsequenz seiner Ernsthaftigkeit – und zwängen die stete Ironie in ein instrumentales Korsett aus schnörkellosem Punk-Rock. Groß war die Entwicklung zwischen dem Vorgänger „Fear of a Punk Planet“ (1990) – dem ersten Album mit Dave Quackenbush als Sänger – und „Live Fast, Diarrhea“ nicht. Doch macht der Drei-Akkorde-Vollgas-Express schlicht einen Heidenspaß. Für eine grundlegende melodische Variierung sorgt vorrangig der Gesang, die instrumentale Basis verlegt sich mit angezogenem Tempo vornehmlich aufs wonnige Knüppeln.

Nostalgische Verklärung mag sich bei der Betrachtung der Platte als hilfreich erweisen. Doch sorgen Stücke wie der Opener „Let the Bad Times Roll“, das gen Hardcore strebende „Take It Back“, das „Mary Poppins“-Cover „Supercalifragilisticexpialidocious“, „Ape Shall Never Kill Ape“, „Change My Pants (I Don’t Wanna)“ oder der Anti-Blues-Smasher „Johnny Twobags“  zweifelsfrei für blendende Laune. Dazu gibt es ein paar Disney-Zitate, kaum erwähnenswerte klangliche Experimente und die Gewissheit, dass früher zumindest manche Dinge besser waren – oder einfach frischer. Manchmal lohnt es sich eben, bloß nicht zu erwachsen zu tun.

Wertung: (7,5 / 10)

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