The Untouchables – Die Unbestechlichen (USA 1987)

theuntouchablesdepalma„People are gonna drink! You know that, I know that, we all know that, and all I do is act on that. And all this talk of bootlegging – what is bootlegging? On a boat, it’s bootlegging. On Lake Shore Drive, it’s hospitality. I’m a businessman!“ – Ein sauberer Geschäftsmann: Al Capone

Als der National Prohibition Act 1919 den US-Kongress passiert hatte, standen die Herstellung, der Verkauf und der Transport von Alkohol landesweit unter Strafe. Aber der politische Wille, das Gesetz durchzusetzen, war gering. Folglich boomten Schwarzbrennerei, Alkoholschmuggel und Flüsterkneipen. Davon profitierten auch Polizeikräfte, die gegen Bestechung nur zu gern in die andere Richtung sahen. Groß im Geschäft war der berühmte Chicagoer Mafiosi Al Capone, der von der Distille bis zum Vertrieb ein illegales Schnaps-Imperium errichtete und bewies, dass die Staatsmacht dem organisierten Verbrechen unfreiwillig zu nie gekannter Macht verhalf. Die für die gesetzliche Durchsetzung zuständigen Beamten, sofern nicht selbst korrumpiert, waren weitgehend machtlos.

Ein Name allerdings wurde zum Aushängeschild des schier aussichtlosen Kampfes gegen die systematische Aushebelung der Prohibition: Eliot Ness. Der Beamte des Schatzamtes wurde 1930 nach Chicago gesandt und ging als der Mann in die Geschichte ein, der Al Capone zu Fall brachte. Diesem Duell widmete „Scarface“-Regisseur Brian De Palma 1987 den meisterlichen Thriller „The Untouchables“ (oder eben frei eingedeutscht: „Die Unbestechlichen“), in dem sich Schauspiel-Chamäleon Robert De Niro („Der Pate II“) als berühmter Gangster und der seinerzeit noch weitgehend unbekannte Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“) als Gesetzeshüter gegenüber stehen. Um seine Arbeit nicht durch den korrupten Polizeiapparat gefährdet zu sehen, schart der in der medialen Öffentlichkeit umstrittene Ness Vertraute um sich, deren Loyalität er sicher sein kann.

Neben dem Bürobeamten Oscar Wallace (Charles Martin Smith, „American Graffiti“) und dem jungen Polizeirekruten George Stone (Andy Garcia, „Der Pate III“) komplettiert der störrische irische Streifenpolizist Jim Malone (erhielt für seine Darbietung den einzigen Oscar seiner Karriere: Sean Connery, „Highlander“) sein Team. Anfangs scheint es, als könnten die Ermittler wenig gegen die straff organisierten Kriminellen ausrichten. Die Sprache (respektive die Gewalt) der Gangster aber bringt erste Erfolge, wodurch Capone unter Druck gerät. Die Folge ist ein verbissen geführter Kleinkrieg, der Ness und Kollegen ins Visier kaltblütiger Killer (u.a. Billy Drago, „Pale Rider“) rückt. Der Klassikerstatus wird dabei durch sehenswertes Zeitkolorit, das starke Skript David Mamets („Glengarry Glen Ross“), den stimmungsvollen Score Ennio Morricones („Es war einmal in Amerika“) sowie wuchtig ruppige Actionintermezzi zementiert. An denkwürdigen Szenen mangelt es jedenfalls nicht.

Wenn De Niros vermeintlich unantastbarer Capone einem in Ungnade gefallenen Untergebenen nach einem Vortrag über Baseball mit einem Schläger den Schädel verbeult, wird das Selbstverständnis des legendären, von Medienvertretern hofierten Mobsters nur zu deutlich. Inszenatorisch hervor sticht neben dem Anschlag auf Malone vor allem die virtuos auf Zelluloid gebannte Schießerei im Bahnhof, bei der mit dem die Stufen herunterrollenden Kinderwagen Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) Tribut gezollt wird. Dass der rechtliche Rahmen des Prohibitionsgesetzes nicht ausreichte, um Capone zu stürzen, sondern letztlich ein Steuervergehen den Ausschlag für seine Inhaftierung gab, unterstreicht die Absurdität des Ansatzes. Historisch akkurat ist De Palmas Film nur bedingt. In der komprimierten Form von rund zwei Stunden hätte das Thema dennoch kaum packender umgesetzt werden können.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Brothers Grimm (USA/GB/CZ 2005)

    Sieben lange Jahre ist es mittlerweile her, dass Regiegenius Terry Gilliam uns mit dem Meisterwerk „Fear and Loathing in Las Vegas“ erfreute. Jetzt stehen gleich zwei neue Filme vor der Tür. Während die „Alice im Wunderland“-Adaption „Tideland“ noch auf sich warten lässt, ist „Brothers Grimm“ jetzt angelaufen. Die Brüder Will (Matt Damon, „Dogma“) und Jake…

  • Zwei Asse trumpfen auf (I/USA 1981)

    In „Zwei Asse trumpfen auf“ beginnt mal wieder alles mit Glücksspiel. Alan (Terence Hill), der von seinem Onkel Brady ein wenig Geld und eine Schatzkarte bekommt, verzockt die Barschaft auf der Rennbahn statt die Suche nach dem verheißenen Vermögen zu investieren. Zudem muss er recht schnell Reißaus vor einer Gruppe von Schlägern nehmen, die die…

  • Reeker (USA 2005)

    Dem Horrorfilm haftet der Ruf ewiglicher Themenwiederholung an. Nicht zu Unrecht, werden doch die immer gleichen Konzepte wie in einer Endlosschleife abgespult. Das gilt sowohl für den auf Explikation von Gewalt ausgelegten Bereich des Splatter-Movies, als auch für den spannungsorientiert subtilen Mystery-Schocker. Letzterem obliegt nicht selten die Bürde einer unerwarteten Finalwendung, um zumindest von hinten…

  • Greif – Attack of the Gryphon (USA 2007)

    Die Drachen aus „Dungeons & Dragons“ haben am tricktechnischen Bodensatz Gesellschaft bekommen. Oder ernsthafte Konkurrenz, vereint der titelgebende Greif in „Attack of the Gryphon“ doch nicht nur Adler und Löwe in seiner Gestalt, sondern auch grafisches Unvermögen, das jedem Amiga 500 peinlich wäre. So okay Andrew Prowses („Farscape“) fürs US-Fernsehen gezimmertes Fantasy-Abenteuer daneben auch gestaltet…

  • Tunnel Rats (CDN/D 2008)

    Krieg ist die Hölle. Filme von Uwe Boll („Far Cry“) sind es auch. Jedenfalls normalerweise. „Tunnel Rats“ zeigt den promovierten Zuchtmeister des B-Trash wieder als Autor, Produzent und Regisseur in Personalunion. Es scheint also alles beim Alten. Doch diesmal kam der Film vor dem Videospiel. Zudem verfolgt Boll ein ernstes Anliegen: Er will das destruktive…

  • Ex Machina (GB 2015)

    „No matter how rich you get, shit goes wrong. You can’t insulate yourself from it. I used to think it was death and taxes you couldn’t avoid, but it’s actually death and shit.“ – Nathan Als Schriftsteller und Drehbuchautor hat sich Alex Garland einen Namen gemacht. Sein Debütroman „The Beach“ (1996), prominent verfilmt mit Leonardo…