The Toolbox Murders (USA 2003)

the-toolbox-murders-2003„Every year thousands of people come to Hollywood to pursue their dreams. Some succeed. Some move back home… And some just disappear.”

Fast scheint es, als habe die stilbildende Horror-Choryphäe Tobe Hooper nach Jahren chronischer Unterforderung zu den archaischen Wurzeln des exploitativen Terrorkinos der 70er-Jahre zurückgefunden. Mit dem semi-dokumentarisch angehauchten Schocker „The Texas Chainsaw Massacre” legte Hooper 1974 den wegweisenden Grundstein für eine Welle verstörend reflexiver Filme, welche in oft radikaler Bildsprache gesellschaftliche Schattenseiten durchleuchteten. Dieses zynische Universum psychedelisch-psychotischer Massenmörder erfuhr in den letzten Jahren, bedingt durch die Übersättigung des Publikums mit Slasherfilmen im Fahrwasser des überwältigenden Erfolges von Wes Cravens retrospektiver „Scream”-Trilogie, eine wahre Renaissance. Mit dem Resultat, dass in hartnäckiger Kontinuität zahlreiche mehr oder minder namhafte Genreperlen zur Ehre zeitgemäßer Aufbereitung gereifen. So schien es lediglich eine Frage der Zeit, bis auch der Werkzeugkoffer aus „The Toolbox Murders” aus den staubigen Gewölben der Vergessenheit geborgen und zurück ins schummrige Licht der Leinwand geworfen würde.

Das unlängst vermählte Paar Nell (Angela Betti, „May”) und Steven Barrow (Brent Roam, „Tremors 4″) bezieht in Los Angeles ein Appartement im notdürftig sanierten Lusman Building. In den 1940ern einst Tummelplatz der Reichen und Schönen im Glanze Hollywoods, ist der Schein vergangener Tage längst verblasst. Doch hat die Renovierung des Komplexes einen tödlichen Nebeneffekt: Das Böse zwischen den Wänden und Decken des alten Gemäuers manifestiert sich in einem maskierten Mörder, der die residierenden Bewohner unter Zuhilfenahme seines Werkzeugarsenals nach und nach dezimiert. Durch seltsame Geräusche und unerklärliche Geschehnisse alarmiert, stellt Nell Nachforschungen an. Doch beobachtet der von übernatürlicher Aura umhüllte Serientäter jeden Schritt der jungen Frau, bereit urplötzlich zuzuschlagen.

Vage angelehnt an Dennis Donellys gleichnamigen Slasher-Trash von 1978, beweist Tobe Hoopers überraschend starker „Toolbox Murders”, dass der 61-jährige Filmemacher kein Quäntchen seines Könnens eingebüßt hat. Noch immer vornehmlich Schrecken und Atmosphäre aus dem Zusammenspiel von Kameraperspektive und Klangspektrum destillierend, als einzig auf blutige Schauwerte zu setzen, lässt der Film im Gesamtwerk Hoopers indiskutable Machwerke der Stupiditätsklasse „The Mangler” oder „Crocodile” beinahe vergessen. Die dröhnenden Toneffekte künden ebenso von den güldenen Zeiten des Genres wie gleichwohl die effektiv penetrante musikalische Untermalung. Gewürzt mit einer Prise tiefschwarzen Humors, kommen moderat gestreute Schocksequenzen zu bedachtem Einsatz. Dass es beim zweckentfremdeten Umgang mit allerlei heim- und handwerklichen Gerätschaften, darunter Hammer, Bolzenschussgerät, Schraubstock und Kreissäge, bisweilen ruppig ans Eingemachte geht, dürfte am Rande der stetig angezogenen Spannungsschraube auch Freunde gepflegter Gore-Intermezzi versöhnlich stimmen.

Dass Hooper aus einem bescheidenen Budget, 18-tägiger Drehzeit und einem handwarmen Skript noch immer im Stande scheint, einen für Genrefans durchaus ansprechenden Film zu formen, zeichnet den altgedienten Regieindividualisten auch im neuen Jahrtausend aus. Dabei betrat der in den letzten Jahren vornehmlich für das US-Fernsehen tätige Filmemacher mit der Inszenierung von „The Toolbox Murders” eisiges Terrain. Gut ein Drittel des Drehbuchs konnte aufgrund finanzieller Engpässe nicht umgesetzt werden, der Film einzig aus bereits abgefilmtem Material editiert werden. Dass der Streifen trotz restriktiver Produktionsbedingungen und obligatorischen Logikbrüchen funktioniert, verdankt er neben der umsichtigen Auslotung obligatorischer Genre-Mechanismen der guten darstellerischen Leistung von Angela Bettis. Diese stemmt den stimmigen Low-Budget-Slasher praktisch im Alleingang und untermauert eindrucksvoll ihren Status als überragende Underground-Aktrice. Selbst der abrupt eingeläutete Run’n’Kill-Showdown, sowie das absehbare Finale auf den plagiatistischen Spuren von John Carpenters „Halloween” trüben das kurzweilige Spektakel in keinster Weise.

Bereichert „The Toolbox Murders” die Gattung des Horrorfilms auch um keinerlei Novität, genügt der souverän umgesetzte Streifen doch immerhin den eigenen Ansprüchen. Abgerundet durch stimmig besetzte Nebenrollen, treten neben Juliet Landau („Ed Wood”) – Tochter von Oscar-Preisträger Martin Landau – und Rance Howard („The Alamo”), – Vater des Oscar-prämierten Regisseurs Ron Howard – unter anderem Sara Downing („The Forsaken”) und Marco Rodriguez („Die City Cobra”) in Erscheinung. Damit ist Tobe Hooper neben Rob Zombies „House of 1000 Corpses” einer der effektivsten Exploiter der letzten Jahre gelungen, ein garstiges Panoptikum klaustrophobischer Angstzustände. Dass dabei die dralle Rob Zombie-Gespielin Sheri Moon als introduktierende Opfergabe fungiert, erweist sich lediglich als eine von zahlreichen subtil gestreuten Referenzen an ein Genre, welches Hooper einst selbst initiierte.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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