The Texas Chainsaw Massacre (USA 2003)

texas-chainsaw-massacre-bay„Blutgericht in Texas”, oder eben im Original „The Texas Chainsaw Massacre” aus dem Jahre 1974 gehört wohl ohne Frage zu den bedeutendsten Horrorfilmen aller Zeiten und seine Figur Leatherface genießt eine ähnliche Popularität wie es sonst einem Freddy Krueger, Jason Voorhees oder Michael Myers vorbehalten ist. Doch im Grunde ist der Film mit dem markanten Namen von Tobe Hopper kein Horror im herkömmlichen Sinn, eben wie es bei den anderen erwähnten Figuren der Fall ist. Denn der Terror spielt sich hier auf einer anderen Ebene ab und äußert sich nicht in endlosen Gewaltorgien. Eine Tatsache, die aber in den letzten 30 Jahren von vielen Seiten, seien es nun Jugendschützer, Kritiker oder sonstige Besserwisser, gerne außer Acht gelassen wurde.

So sollte es auch nicht verwundern, dass der Klassiker hierzulande von den entsprechenden Behörden vor etwa zwei Jahrzehnten beschlagnahmt wurde. Grund dafür war/ist die übertriebene Gewaltdarstellung, die es aber erst einmal im zu finden gilt. Wie dem auch sei, als vor wenigen Jahren die Rede von einem Remake die Runde machte, heulte die Horror-Gemeinde auf. Warum, wieso, weshalb. Grabschändung nennt man so etwas und vor allem der Name Michael Bay („Bad Boys”) sorgte in diesem Zusammenhang für gerechtfertigte Zweifel am Projekt. Der Krawall-Regisseur war letztendlich aber nur als Produzent verantwortlich, auf dem Regiestuhl machte sich Marcus Nispel breit. Der hätte vor einigen Jahren „End of Days“ mit Arnold Schwarzenegger verfilmen sollen, schied aufgrund „kreativer Differenzen“ aber aus dem Projekt aus.

Jener Marcus Nispel, der unzählige Werbe- und Videoclips drehte, sollte also mit dem Remake eines Horror-Klassikers sein Regiedebüt geben. An der Geschichte hat sich natürlich nichts grundlegendes geändert, lediglich hier und da wurde die ursprüngliche Story etwas „angepasst“. Auf dem Weg von Mexico nach Dallas treffen fünf Jugendliche – u.a. Jessica Biel („Ulee’s Gold”) und Eric Balfour („Six Feet Under”) – in der weiten texanischen Pampa auf offener Straße auf eine junge Frau, die sie beinahe überfahren hätten. Die verwirrte Frau wird von ihnen mitgenommen, stammelt jedoch nur zusammenhangslose Sätze wie „alle sind tot“ und verteilt kurze Zeit später ihr Hirn im hinteren Teil des Busses. Geschockt wollen die fünf die Leiche der örtlichen Polizei übergeben, an einer nahe gelegenen Tankstelle werden sie jedoch von der Bedienung zu einer alten Mühle gebeten, an der der Sheriff (R. Lee Ermey, „Full Metal Jacket”) das Protokoll aufnehmen würde. Dort angekommen, ist zunächst aber keine Polizei zu sehen und so macht sich ein Teil der Gruppe zu einem nahe gelegenen Haus auf, um von dort aus direkt mit den Behörden in Verbindung zu treten. Kurze Zeit später befinden sich die Jugendlichen aber schon auf der Flucht vor Leatherface, dem ikonischen Kettensägenmörder mit der Maske aus Menschenhaut.

„Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre“. Ein Titel, der eigentlich in wenigen Worten alles nur erdenklich negative ausdrückt und die Erwartungshaltung gleich gen Null tendieren lässt. Warum zur Hölle muss der Hochglanz- und Bombast-Filmemacher auch noch seinen Namen in den Titel einbringen, nein, ihm gar seinen Stempel aufdrücken? Dass Regisseur Nispel aus dem Werbe- und Videoclip-Bereich kommt, merkt man schnell. Viele Schnitte, rasante Kamerafahrten und immer wird mehr Sorgfalt auf die Verpackung als auf den Inhalt gelegt. Dies ist man zwar auch bei Michael Bay nicht anders gewohnt, doch zumindest versteht Nispel sein Handwerk und der Film kann dank seiner modern gestylten Ästhetik erst einmal für Aufmerksamkeit sorgen. Die Umgebung wirkt bedrohlich, ist stets im Dunkeln gehalten und Nispel nutzt ohne Frage jede Sekunde, sein unbestrittenes visuelles Talent auszuschöpfen. Dabei lässt er mehr oder weniger gekonnt gängige Klischees des Horror-Films einfließen, die man aus etlichen Filmen der letzten Dekaden kennt.

Dies aber drückt zum einen die Spannung, doch sind die Schock-Sequenzen zahlreich, wenn auch stellenweise arg vorhersehbar. Die Story wurde fast eins zu eins übernommen und kommt erstaunlich schnell zur Sache. Eine Einleitung ins Geschehen und ein langsames Antasten an den Schrecken gibt es nicht, bereits nach wenigen Minuten steckt die Gruppe drin im Schlamassel und kommt dort auch nicht mehr heraus. Ein inhaltlicher Unterschied findet sich beispielsweise direkt zu Beginn. Denn während im Original noch ein männliches Mitglied der sympathischen Sippe voller Degenerierten im Bus mitgenommen wurde, ist es hier ein Opfer derer. Überflüssig bleibt die Einbringung des Drogenschmuggels der Jugendlichen, der zwar nur am Rande angerissen wird, jedoch in alter Hollywood-Manier übliche Klischees ausgräbt. Diejenigen, die Drogen konsumieren und Sex haben, müssen als erste dran glauben. Ironie des Schicksals oder ein versteckter moralischer Wink der Macher, dass ausgerechnet die Person überlebt, die mit der Sache nichts zu tun hat?

Auch der Hang, dem Zuschauer die Geschehnisse als real verkaufen zu müssen, dargestellt durch eine platte Einleitung und einem lächerlichen Ende im Doku-Stil, wirkt arg unnötig. Tobe Hooper sagte seinerzeit, dass der Film lediglich im entfernteren auf tatsächlichem Geschehen beruht, im Jahre 2003 will der Film dem Zuschauer jedoch eine Kopie aus dem wirklichen Leben glaubhaft machen. War der Anteil an Gewalt im Original eigentlich gleich null, so erhöht Nispel diesen um einige recht derbe Szenen, vermeidet es jedoch den Film in ein hohles Abgeschlachte ausarten zu lassen. Beginnt der Film noch recht vielversprechend, so wird die Vorfreude auf das Kommende jedoch schnell getrübt. Die blasse Schauspielschar läuft, flieht und verrennt sich im Laufe der Zeit in vollkommen unnötige Handlungen, die es wohl aber auch noch in hundert Jahren Horror-Film geben wird. Unnütz zu erwähnen, dass die Opfer dorthin rennen, wo sie am wenigsten gut aufgehoben sind. Nispels Neuinterpretation ist einfach zu viel des Guten und offenbart lediglich den Kommerztrieb der Traumfabrik. Trotz anständiger Optik bleibt der Streifen zu blass und will Erklärungen liefern, wo es vor 30 Jahren keine brauchte. Damit sorgt er einfach für den Schrecken, den das Original auch heute noch transportiert.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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