The Strain (Season 2) (USA 2015)

the-strain-season-2Der Kampf gegen die Strigoi geht in die zweite Runde. Am Ende der Auftaktstaffel von „The Strain“ konnten Vampirjäger Abraham Setrakian („Harry Potter“-Hausmeister David Bradley) und seine Mitstreiter den Meister schwächen. Nur mussten sie lernen, dass dem monströsen Lenker der infektiösen, mit Klappmaul und hervorschnellendem Appendix versehenen Blutsauger auch durch Sonnenlicht kein Einhalt geboten werden kann. Zwar benötigt die alptraumhafte Kreatur als Konsequenz der Konfrontation einen neuen Körper, die Gefahr für die im Chaos versinkende Metropole New York ist damit aber keineswegs gemindert. Ihrer gewahr ist sich mittlerweile auch die Politik. Das rigide Eingreifen von Stadträtin Justine Feraldo (Samantha Mathis, „Operation: Broken Arrow“), die enthauptete Vampire öffentlich zur Schau stellt, macht das Problem zwar publik, der Feind lauert aber auch diesmal in den eigenen Reihen.

Ein Gesicht erhält er durch Milliardär Eldritch Palmer (Jonathan Hyde, „Dinotopia“), der dem Siechtum durch die Kraft des Meisters entging und im Gegenzug die (weitgehend) unerkannte Machtausbreitung der Strigoi mit Geld und Tatkraft unterstützt. Rückblicke zeigen, dass er und Setrakian einst Verbündete waren und gemeinsam nach einem sagenumwobenen, in Silber eingeschlagenen Buch fahndeten, dem Occido Lumen. Das rare Werk soll Wege aufzeigen, wie die Vampire vernichtet werden können. Warum Starrkopf Setrakian auf seine alten Tage noch so rüstig erscheint, wird am Rande erörtert. Über die Antwort bewahrt die als einzige eingeweihte Virologin Nora Martinez (Mia Maestro, „Poseidon“) jedoch Stillschweigen. Aber sie hat ohnehin Wichtigeres zu tun, arbeitet sie mit Kollege und Ex-Liebhaber Ephraim Goodweather (Corey Stoll, „Ant-Man“) doch mit Hochdruck an einer Möglichkeit, die Vampire mit einem für sie tödlichen Virus zu infizieren.

Die apokalyptisch angehauchte Horror-Mär, mit der Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth“) und Chuck Hogan („The Town“) ihre eigene Romantrilogie verfilmen, funktionierte zum Auftakt passabel. Das größte Problem bleibt – neben den bisweilen eindimensionalen Figuren und durchwachsenen Schauspielerleistungen – die Optik. Die Filme del Toros, der den Prolog dieser Season selbst inszenierte, verfügen über visuelle Schauwerte, die zum Staunen anregen. „The Strain“ hingegen erinnert nicht selten an farb- und einfallslose TV-Kost aus den Neunzigern. Mehr als noch zum Auftakt macht sich in Hälfte eins der Fortsetzungsstaffel Beliebigkeit breit. Der stärkere Fokus auf die Protagonisten schafft Längen, was vorrangig für die Beziehung zwischen der bisexuellen Hackerin Dutch Velders (Ruta Gedmintas, „Prowl“) und dem kämpferischen Kammerjäger Vasiliy Fet (Kevin Durand, „Ich bin Nummer Vier“) gilt.

Als düsteres Highlight entpuppt sich das Wirken von Goodweathers selbst in einen Vampir verwandelte Ex-Frau Kelly (Natalie Brown, „Dawn of the Dead“). Ihr gewährt der Meister einen Willen und macht sie zur Hüterin einer Horde kindlicher Blutsauger, die wie Spinnen über Wände und Decken krabbeln. Für deren Schöpfung hat Eichhorst (Richard Sammel, „Inglourious Basterds“), die rechte Hand des Vampirfürsten, einen Schulbus voller blinder Kinder herangeschafft. Derart abgründig wird es leider nur selten. Wer seine Ansprüche aber nicht allzu hoch aufhängt, wird grundsolide und dank Bradley, Stoll, Hyde und Sammel auch darstellerisch ansprechend bei der Stange gehalten. In Hälfte zwei nimmt „The Strain“ endlich an Intensität zu. Verschiedene Nebenhandlungen, etwa das Auftauchen von Dutchs Geliebter oder die Liebelei zwischen Palmer und der wesentlich jüngeren Coco (Lizzie Brocheré, „American Horror Story: Asylum“), zerren zwar am Geduldsfaden, der herrlich widerwärtige Eichhorst sorgt aber für prägende Höhepunkte, die über manch erzählerische Schwäche hinwegsehen lassen.

Der Alt-Nazi, dessen Aufstieg ebenfalls in einem Rückblick erläutert wird, reagiert zunächst vergrätzt, wählt der Meister doch nicht seinen Körper als neues Gefäß. Im schwelenden Machtkampf mit dem seine Bedeutung überschätzenden Palmer sowie der Verschleppung von Dutch in sein Heim (ein verlassener Hoteltrakt) empfiehlt sich Eichhorst jedoch nachhaltig als fiesester Arsch des Weltuntergangs. Die Gegenpartei um Setrakian kann da kaum mithalten, selbst wenn der Ex-Ex-Alkoholiker Goodweather seinen alten Vorgesetzten aus einem fahrenden Zug bugsiert, ein Attentat auf Palmer plant und in einem Rückblick mit dem bereits ausrangierten Sean Astin („Der Herr der Ringe“) vereint wird. Sein nerviger Sohn Zach (diesmal gespielt von Max Charles), der dramaturgisch nur dazu dienlich scheint, die ihn suchende Kelly zu ködern, ist jedoch ein weiterer Schwachpunkt. Gleiches gilt übrigens auch für Ghetto-Gangster Gus (Miguel Gomez, „Southpaw“).

Der zieht erst mit Vaun (Stephen McHattie, „The Fountain“), dem Paradekrieger der im dunklen Keller lungernden und am Fall des Meisters feilenden Vampirältesten in den Kampf, ehe er sich aus dem Konflikt zurückzieht und in einem Restaurant auf den humpelnden Ex-Catcher/-Filmstar Angel (Joaquín Cosio, „Lone Ranger“) trifft. Das führt abseits der gelungenen Reminiszenz ans mexikanische Schundkino so lange ins Nichts, bis der bereits in römischen Arenen tätige Vampir-Ausputzer Quinlan (Rupert Penry-Jones, „Black Sails“) auf den Plan tritt und Gus wieder für die Zwecke der Ältesten einspannt. Doch selbst wenn „The Strain“ formal wie erzählerisch kaum an das Niveau amerikanischer Top-TV-Kost heranreicht, bietet die Reihe noch immer ausreichend gelungene (und blutige) Momente, um das Interesse nicht zu kappen. Klar wird das spätestens zum Finale, das eine der Hauptfiguren emotional bemüht aufrüttelnd dahinrafft und die Karten für alle Beteiligten neu mischt. Ein bisschen Vorfreude auf Staffel 3 ist also durchaus angebracht.

Wertung: (7 / 10)

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