The Sloths – Back From the Grave (2015/2018, Burger Records/Eternal Sound Records)

Das Faultier zeichnet sich durch langsame Reaktionen und ausgiebige Ruhephasen aus. Entsprechend trefflich ist der Bandname der US-Garagen-Rock’n’Roller THE SLOTHS gewählt. Denn die, 1964 gegründet, lösten sich nach zwei Jahren des Bestehens, einer veröffentlichten Single und Gigs mit (seinerzeit kommenden) Größen wie THE DOORS wieder auf. Der Vergessenheit entrissen wurde das Gespann in den Neunzehnachtzigern, als besagte, minimal-frivole Single „Makin‘ Love“ wiederentdeckt und auf der vierten Ausgabe der „Back From the Grave“-Kompilation verewigt wurde. Das daraus resultierende Interesse veranlasste Gründungsmitglied Jeff Briskin dazu, die Gruppe wieder zusammenzutrommeln.

Das Problem an der Sache: Sänger Hank Daniels und Drummer Sam Kamarass waren in der Zwischenzeit verstorben. Also wurden neue Mitstreiter rekrutiert, darunter „Freitag, der 13. Teil VI – Jason lebt“-Autor/-Regisseur Tommy McLoughlin als neuer Frontmann, und ab 2012 wieder Konzerte gespielt. Weitere drei Jahre später, ein halbes Jahrhundert nach den Aufnahmen der Debüt-Single, entstand das erste Album der SLOTHS: „Back From the Grave“. Von der ursprünglichen Besetzung blieb einzig Gitarrist Michael Rummans übrig. Nach der US-Erstvorstellung via Burger Records wurde Eternal Sound Records auf den wiederentdeckten heimlichen Klassiker aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Als Konsequenz – und sehr zur Freude von Genre-Nostalgikern und Altrockern – ist die Platte nun auch in Europa erschienen.

Das Dutzend Tracks, darunter eine Neuauflage von „Makin‘ Love“ lässt auf dem Rücken des Blues-Rock (noch immer) die erdige, ungezügelte Form des Rock’n’Roll aufleben und orientiert sich damit am frühen Wirken von Wegbereitern wie den ROLLING STONES. Der Sound der Scheibe entpuppt sich dabei als verblüffend authentisch – oder besser: rotzig. Zwar werden mit Mundharmonika-Solo („End of the Rope“) oder Klavier-Einspieler („Everybody’s Tryin 2 B Somebody“) klassische Genre-Elemente bemüht, in der Hauptsache aber werden die Stücke flott und ohne Schnörkel nach vorn getrieben (einer der Anspieltipps: das im Jerry-Lee-Lewis-Stil gehaltene „A Cutie Named Judy“). McLoughlins Organ erinnert dabei bisweilen an Iggy Pop und erweitert das Repertoire bei „One Way Out“ um Spoken-Word-Passagen. Wer den Rock’n’Roll dreckig mag, wird hier famos bedient. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Faultiere nach dieser agilen Phase nicht gleich wieder zur Ruhe betten.

Wertung: (7,5 / 10)

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