The Shrine (USA 2010)

the-shrineZu Hause fühlt sich der Amerikaner immer noch am wohlsten. Es ist ja auch unbestritten ein schönes Land, das in der nationalen Eigenwahrnehmung nicht selten zum Paradies verklärt wird. Weniger schön hingegen ist der Rest der Welt. Besonders der Osten Europas, der Dank der Aufklärung Hollywoods, besondere Gefahr für jedermann mit amerikanischem Pass bedeutet. Irgendwie scheinen sich diese besser foltern/ausweiden/lynchen zu lassen als Reisende aus anderen Erdteilen. Und weil die Slowaken schon private Folterkammern vermieten („Hostel“) und die Ukrainer ungefragt Organe rauben („Train“), müssen die Polen eben ohne Umweg dem Prinzen der Finsternis huldigen, dem erfahrungsgemäß am besten mit menschlichen Opfern gehuldigt wird.

Die ehrgeizige Reporterin Carmen (Cindy Sampson, Dean Winchesters Darling Lisa aus „Supernatural“) entgeht nicht, dass immer wieder (US-)Rucksack-Touristen in der Nähe eines spezifischen polnischen Dorfes verschwinden. Obwohl es ihr Chef ausdrücklich verbietet, fliegt sie mit der jungen Praktikantin Sara (Meghan Heffern, deren Auftritt in „Insectidal“ auf abseitige Weise denkwürdig bleibt!) in den finstren Ostblock. Begleitet werden die Mädels von Carmens Freund, dem Fotografen Marcus (Aaron Ashmore, der Jimmy Olsen aus „Smallville“). Am Zielort scheint die Zeit mal wieder stehen geblieben und entsprechend argwöhnisch werden die Reisenden empfangen. Nur die Kinder des Landstrichs sind ihnen freundlich gesonnen. Schließlich sprechen die, das polnische Schulsystem sei Dank, auch allesamt Englisch.

Der Dorfnachwuchs schweigt sich allerdings über den merkwürdigen nebligen Rauch aus, der über einem Waldstück in der Nähe des Dorfes aufsteigt. Es dauert nicht lange und das Trio wird in bester „Hammer Horror“-Tradition mit Kompostgabeln und die Sicheln zur Abreise gedrängt. Carmen möchte aber keineswegs ohne ihre Story abreisen und überredet ihre Begleiter, gemeinsam den Wald zu erkunden. Den Rest kann man sich denken. Oder etwa doch nicht? Der Name John Knautz jedenfalls macht Hoffnung. Dessen Erstling „Jack Brooks – Monster Slayer“ war eine spaßige Hommage an Filme wie „Evil Dead“. Auf die Humoreinlagen des Debüts verzichtet der Regisseur bei „The Shrine“ allerdings komplett und erzählt eine ernstgetränkte Geschichte, die sich unwillkürlich an Genregrößen wie „Der Exorzist“ oder „Das Omen“ anlehnt.

Das aber muss nicht einmal sauer aufstoßen, präsentiert Knautz im letzten Drittel doch einen ansehnlichen und mit blutiger Action versehenen Twist. Trotz mäßiger schauspielerischer Darbietungen lassen sich die Geschehnisse auf dem Bildschirm mit einiger Spannung verfolgen. Die bedrückende Atmosphäre ist dabei der große Pluspunkt des Films. Dazu bei trägt sicherlich auch die Entscheidung bei, bei den polnischen Dialogen auf Untertitel zu verzichten und den Zuschauer ähnlich ratlos zurück zu lassen wie die Protagonisten. Bahnbrechend ist das alles sicher nicht, aber doch durchweg kompetent und stimmig gefertigt. Aber mittlerweile muss der geneigte Genrefreund wohl bereits froh darüber sein, mal kein ach so gefragtes Remake vorgesetzt zu bekommen.

Wertung: (6 / 10)

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