The Shell Corporation – Fucked (2018, Gunner Records)

Punk bleibt wichtig. Vor allem in politisch aufgeheizten Zeiten wie diesen. Musik wird wieder vermehrt zum wütenden Korrektiv, zum aufrüttelnden Mahner und spöttischen Kommentator. Das Problem der gegenwärtigen Lage ist nur, dass Fakten kaum mehr zählen. Recht hat, wer am besten emotionalisiert. Oder besser: manipuliert. Umso schwerer dürfte es kritischen Bands fallen, sich außerhalb der angestammten Zielgruppe Gehör zu verschaffen. Trotzdem – oder gerade deshalb – kann es gar nicht genug Musiker geben, die sich der ach so zeitgemäßen Xenophobie und anderen gesellschaftlichen/politischen Missständen mit klaren Worten widersetzen.

Eine von ihnen ist THE SHELL CORPORATION, die gleich mit „Kumbaya“, dem Opener ihres programmatisch überschriebenen dritten Langspielers „Fucked“, mit US-Präsident Donald Trump abrechnen. Dabei werden Sprechpasssagen von einem Refrain umgarnt, der die Eingängigkeit des Gesamtwerks exemplarisch vorwegnimmt. Zum Auftakt zünden die Kalifornier ein regelrechtes Feuerwerk großartiger Hymnen – solche wie „Make It Rain“ oder das herrlich ungestüme „Not Funny“. Im weiteren Verlauf wird es aber auch ruhiger, melodischer und rockiger (siehe „Rooftops“ oder „All Down to Me“). Der Vierer könnte damit gut und gerne als Mischung aus DILLINGER FOUR und RISE AGAINST umschrieben werden. An Abwechslung mangelt es darüber nicht.

Wer den Orkan des ersten Drittels als Messlatte anlegt, dürfte nach hinten raus momentweise eine konstante Durchschlagskraft vermissen. An großen Momenten mangelt es aber zu keiner Zeit, wie auch „Von Braun Waltz“ oder „Poor Devils“ untermauern. Mittelmäßigkeit jedenfalls sucht man auf „Fucked“ vergebens, dafür sind selbst die (verhältnismäßig) schwächeren Nummern viel zu gut. Das Rad müssen THE SHELL CORPORATION nicht neu erfinden, um eine starke Platte mit wohligem Nachhall zu schaffen. So bleibt der Punk nicht nur verdammt packend, sondern dank durchdachter Texte auch weiterhin wichtig.

Wertung: (8 / 10)

scroll to top