The Running Man (USA 1987)

running-manUnter dem Pseudonym Richard Bachman publizierte Bestseller-Autor und Vielschreiber Stephen King drei Romane, darunter die brutale Sci-Fi-Utopie „Menschenjagd“. Die Verfilmung des Buches besorgte TV-Regisseur Paul Michael Glaser („Starsky & Hutch“, „Miami Vice“), der den nach nur wenigen Drehtagen gefeuerten Andrew Davis („Auf der Flucht“) ersetzte. Die Vorlage wäre für ein medienkritisches und zugleich packendes Drama gut gewesen. Unter der Feder von Action-Spezi Steven E. de Souza („Richochet“) verkam der Stoff jedoch zum einfältigen Actionfilm. Kein Wunder also, dass Arnold Schwarzenegger den Vorzug bei der Besetzung der Hauptrolle erhielt.

Im Jahr 2017 hat das Staatssystem die Macht über die Medien erlangt. Um den wirtschaftlichen Kollaps und das marode Staatsgefüge zu kaschieren wird das Volk nach dem ´Brot und Spiele´-Prinzip bei Laune gehalten. Absoluter Quotenrenner ist das Format Running Man, bei dem freiwillige – vorzugsweise verurteilte Verbrecher – in einer kargen Ruinenkulisse um ihr Leben kämpfen müssen. Als die Wahl auf den verurteilten Soldaten Ben Richards (Schwarzenegger) fällt, glaubt Moderator Damon Killian (Richard Dawson, „Der längste Tag“) einen Glücksgriff getätigt zu haben. Von den Bluthunden des totalitären Machtgefüges in die Enge getrieben, setzt Richards jedoch zur Gegenwehr an.

Aus heutiger Sicht ist „The Running Man“ ein reichlich abgestandenes Arnie-Vehikel mit hölzern agierendem Ösi-Export. Schwarzenegger gibt die immer gleich gearteten Einzeiler zum besten und röhrt sich auch das fast obligatorische „I’ll be back“ aus den Backen. Die spätere politische Elite der USA findet ihre Ergänzung in Jesse Ventura („Predator“), der 1998 zum Gouverneur von Minnesota gewählt wurde. In farblosen Nebenrollen agieren Yaphet Kotto („Alien“), die US-Football-Legende Jim Brown („Mars Attacks!“) und Professor Toru Tanaka („Black Rain“). Als darstellerischer Glanzpunkt dient die rassige Maria Conchita Alonso („Ausgelöscht“).

In billigen Studiokulissen wird die zynische Satire Stephen Kings zu einem inhaltlich öden und formal wenig aufregenden Sci-Fi-Actionfilm umfunktioniert. Zwar deuten die sarkastischen Werbespots zu TV-Shows wie „Climbing for Dollars“ in eine durchaus medienkritische Richtung, „The Running Man“ als Allegorie auf mediale Allmacht deuten zu wollen, spiele dem passablem Streifen allerdings mehr Intelligenz zu als tatsächlich vorhanden. Nicht umsonst haben Filme wie „RoboCop“ (1987) den schwarzhumorigen Umgang mit diesem Thema vorgemacht.

Das Potential der literarischen Vorgabe wird an ein Cyberpunk-Spektakel im B-Movie-Look vergeudet. Sozialkritischer Zündstoff ist endgültig abgeschrieben, wenn Arnie zum Spielball einer revolutionären Untergrundbewegung avanciert – in deren Reihen auch Frank Zappas Sohn Dweezil auszumachen ist. Dass Killians System stürzt, ist so klar wie das Amen in der Kirche. Platz für das nihilistische Finale des Buches bleibt da selbstverständlich nicht. Im Grunde bedauerlich, denn nach den New Yorker Terroranschlägen vom 11. September 2001 wird man Kings Roman sicher nie in einer werkgetreuen Filmadaption zu Gesicht bekommen.

Wertung: (5 / 10)

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