The Punisher (USA/D 2004)

the-punisherEs sollte der letzte Einsatz für den FBI-Agenten Frank Castle (Thomas Jane, „Deep Blue Sea”) sein. In unzähligen Undercover-Operationen war er für das Gute unterwegs und wollte eigentlich beim letzten Mal schon adieu sagen. Doch ausgerechnet bei seinem finalen Einsatz stirbt ein Beteiligter durch die Kugeln der FBI-Fahnder, der gar nicht an diesem Ort sein sollte. Dieser jemand war jedoch nicht irgendwer, sondern der Sohn des mächtigen Verbrechers Howard Saint (John Travolta, „Pulp Fiction”), der nun auf Rache sinnt. Castle nimmt zu Beginn nur am Rande Notiz von der Angelegenheit und reist mit seiner Frau (Samantha Mathi, „Broken Arrow”) samt Sohn zu einer Familienfeier. Für den trauernden Howard Saint und seine Frau Olivia (Laura Harring, „Mulholland Drive”) ist das Kapitel jedoch noch lange nicht abgeschlossen.

Binnen kürzester Zeit hat man den Kopf hinter der FBI-Aktion ausgemacht und kennt auch seinen Aufenthalt. Ein Killertrupp soll kurzerhand für einen gerechten Ausgleich sorgen und so wird während der Familienfeierlichkeiten die gesamte Sippschaft Castles umgebracht. Er selbst wird schwer verwundet, überlebt jedoch und macht sich nach einigen Monaten der Genesung zurück in die Heimat. Von Rache- und Alkoholdurst geprägt, hortet er eine Unmenge an Waffen, um nun gegen Saint und seinen Clan vorzugehen. Begnügt er sich zu Beginn noch damit, die Personen um Saint gegeneinander auszuspielen oder dessen Geld zu vernichten, kommt es im weiteren Verlauf aber zu der unumgänglichen Konfrontation der Beiden.

Da ist sie nun also, die lang angekündigte und heiß ersehnte zweite Verfilmung von Marvels allzu menschlichem Racheengel, dem „Punisher“. 15 Jahre nachdem bereits der stoische Hüne Dolph Lundgren die Kleidung mit dem Totenkopf überstreifte und reihenweise Widersacher ins Jenseits beförderte, darf nun Thomas Jane diesen Part übernehmen. Eine Wahl, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, denn vom Charisma her hat Jane ohne Frage die Voraussetzungen für diesen gebrochen Anti-Helden und auch eine durchtrainierte Figur sorgt für die nötige Glaubwürdigkeit des harten Kerls. So ist es auch erst einmal nicht verwunderlich, dass der Frank Castle des Jahres 2004 menschlicher wirkt und mehr Tiefgang besitzt als der grobschlächtige Lundgren. Doch durchkreuzt eine mehr als holprige Inszenierung und die Fragen aufwerfende Geschichte ein ums andere Mal den Sehgenuß.

Regie-Debütant Jonathan Hensleigh schafft es nicht, der Rachestory den nötigen Biss zu verleihen, was vor allem daran liegt, dass der Punisher nur zögerlich seine Trümpfe ausspielt und gerade die Kaltblütigkeit der Comic-Vorlage oder auch eines Lundgren vermissen lässt. So wird der Feind erst einmal beschattet, langsam tastet er sich an die Menschen um sein oberstes Ziel Howard Saint heran, ohne aber mal mit den Hammer kreisen zu lassen. So sind dann auch die Actionsequenzen eher spärlich gesät und auch der Showdown ist zeitlich wie vom Bodycount her mehr als eingeschränkt. Zwischendurch gibt es zwar mal eine Verfolgungsjagd, kurze Schießereien oder Kloppereien, doch die halbherzige Vorgehensweise des Rächers stößt schon merklich auf. Hinzu kommt, dass die Action von der FSK bearbeitet wurde, so dass man als erwachsener Zuschauer den ein oder anderen mehr als offensichtlichen Schnitt ertragen muss. Ob nun zu Beginn während des Massakers an Castles Familie, einer Folteraktion oder zum Schluss mit Pfeil und Bogen bewaffnet, abrupt auftauchende Schnitte müssen hier leider in Kauf genommen werden. Doch anderthalb Minuten hätten den Film auch nicht besser gemacht.

Der sich früh breit machende Schlendrian kann auch im Laufe der Zeit nicht durch Spannung ersetzt werden. John Travolta mimt mal wieder einen Bösen, doch seine fetten Jahre nach dem „Pulp Fiction“-Comeback sind wohl ohne Zweifel vorbei. Recht farblos und ohne Höhepunkte gibt er den Obergangster, der zudem viel zu schnell das Zeitliche segnet. Völlig fehl am Platze ist auch die allzu erheiternde Nachbarschaft (u.a. Rebecca Romijn-Stamos, „X-Men”) des Punisher geraten, die für lustige Zwischenmomente sorgen soll und gleich im Doppelpack den Part des lästigen Sidekicks übernimmt. Das ein oder andere mal herrscht zwar Aufmerksamkeit, so zum Beispiel wenn ein Killer in bester „Desperado“-Manier Frank Castle während seines Frühstücks aufsucht oder er sich einen minutenlangen Kampf mit einem Zwei-Meter-Russen (Wrestler Kevin Nash) in seiner Wohnung liefert.

Dennoch ist die zweite Verfilmung des „Punisher“ ein Reinfall geworden, bei dem auch ein sympathischer Thomas Jane nichts mehr ausrichten kann. Mittelmäßige und stets zu kurz geratene Action-Szenen, insgesamt eine eher durchschnittliche Besetzung (von Will Patton vielleicht noch einmal abgesehen) und eine unspektakuläre Inszenierung lassen den „Punisher“ zu einem Schatten seiner selbst verkommen. Ein wenig düsterer inszeniert und mit mehr Geradlinigkeit seiner Figur versehen, hätte aus dem Stoff durchaus etwas werden können. In dieser halbgaren Form bleibt der Spaß jedoch merklich auf der Strecke. Klarer Punktsieg für Lundgren.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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