The Punisher (USA 1989)

the-punisher-lundgrenIn den späten 80ern war es noch nicht üblich, dass gleich mehrere übernatürliche Superhelden pro Jahr den Zuschauer im Kino mit actionreichen Abenteuern erfreuten. Ein gewisser „Superman“ bildete bis dato so ziemlich die einzige Ausnahme. Tricktechnisch war man eben noch nicht soweit, um fliegende oder zermalmende Comicheroen auf die große Leinwand zu bringen, schließlich will der Anspruch der verehrten Leserschaft gerechtfertigt werden. Da hatte man es mit der Marvel-Figur des „Punisher“ schon einfacher, stellte dieser Charakter doch nicht einen der zahlreichen übernatürlichen Helden dar, sondern einen Normalsterblichen, dessen einzige Antriebskraft aus Hass bestand.

So entschloss man sich zu einer Zeit, als die Action noch roh und die Helden wortkarg sein durften, dazu, das schwedische Import-Teakholz Dolph Lundgren in den Kampf gegen das Übel der Welt (in diesem Fall die Mafia) ziehen zu lassen. Der blonde Recke verkörpert dabei den ehemaligen Polizisten Frank Castle, dessen Familie vor einigen Jahren bei einem feigen Anschlag umkam, der eigentlich ihm galt. Im Anschluss gab er vor, ebenfalls nicht mehr unter den Lebenden zu weilen. Doch statt im stillen Kämmerlein bis ans Ende der Welt Trübsal zu blasen, entschloss sich Castle, an den Schuldigen Rache zu üben. Im Laufe der Zeit pflasterten so über hundert Verbrecherleichen seinen Weg, die Medien kreierten den „Punisher“ und über all dem geisterte die Person Frank Castle, wenn man auch nicht offiziell wusste, dass er dahinter steckt.

In dieser Zeit kehrt die Mafia-Größe Gianni Franco (Jeroen Krabbe) in die Staaten zurück, nachdem er nun endgültig aufgrund durch den „Punisher“ verursachter „Todesfälle“ die neue Nummer 1 geworden ist. Zu seinen obersten Zielen gehört die Zusammenführung der ohnehin schon geschwächten Familien, um so zu alter Stärke zurückzufinden. Der erste gemeinsame Coup soll dann in Form eines bisher nie dagewesenen Drogendeals über die Bühne gehen, bei dem sich jedoch nicht nur der „Punisher“ als Spielverderber erweist. Auch das Yakuza-Oberhaupt Lady Tanaka (Kim Miyori) hat ihren Blick auf die Drogen und den Machtbereich der Mafia geworfen. Um ihrem Vorhaben ein wenig Nachdruck zu verleihen, entführt sie die Kinder der Mafiosi, was gleichzeitig wieder den „Punisher“ auf den Plan ruft und ihn zwischen die Fronten des Bandenkriegs führt.

Comic-Verfilmungen haben es bekanntlich nicht einfach, den meist hohen Erwartungen der Leserschaft gerecht zu werden und auch der bereits 1989 gedrehte erste „The Punisher“ stellt da keine Ausnahme dar. Die Besetzung einer Rolle mit dem europäischen Minimalmimen Dolph Lundgren ist im Grunde immer falsch, denn so ehrlich sollte man sein, schauspielern kann der gute Mann nicht. Dennoch konnte er sich mit kurzweiligen und brutalen Werken wie „Men of War“ oder eben dem „Punisher“ in die Herzen eingefleischter B-Action-Freunde spielen/schießen. Auch die Figur des Frank Castle wird von Lundgren in gewohnt hölzerner Manier verkörpert und das ausdruckslose, fast leer erscheinende Gesicht verleitet den Betrachter nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen. Allerdings passt auch dieses beinahe abwesend erscheinende Antlitz irgendwie zu seiner Figur.

Doch muss in solchen Werken die physische Präsenz überwiegen und davon hat der nicht gerade klein gewachsene Schwede nun ordentlich was zu bieten. Wie ein Fels in der Brandung steht er inmitten einer löchrigen Story, die lediglich durch inhaltslose Fragmente auffällt, um die unzähligen Action-Sequenzen irgendwie zu verbinden. Ein wirklicher Plot ist nicht vorhanden, die Zeichnung der Figuren entfällt fast gänzlich. Lediglich der von Louis Gossett Jr. („Der stählerne Adler“) verkörperte Polizist, der im normalen Leben einst ein guter Freund von Castle war und ihm einiges verdankt, kann seiner Figur so etwas wie Tiefe verleihen. Die weiteren Rollen sind vornehmlich mit Unbekannten aus den letzten Reihen besetzt worden, allenfalls Jeroen Krabbe („James Bond 007 – Der Hauch des Todes“) als Mafiosi, Kim Miyori („Metro“) oder Nancy Everhard („Deep Star Six“) dürften vielleicht noch aus dem ein oder anderen Film bekannt sein.

Der recht derbe und düster gehaltene Actioner, der zudem nicht mit brutalen Szenen geizt, war nicht nur bei uns lange trotz einer Freigabe ab 18 bis aufs Übelste geschnitten und man musste bspw. mit der japanischen Laserdisc Vorlieb nehmen, um zahllose Einschüsse, abgetrennte Hände, Genickbrüche und aufgespießte Leiber zu betrachten. Die Action ist ansonsten auf typischem 80er-Niveau gehalten, die Kämpfe sind ordentlich choreographiert, während einer Verfolgungsjagd geht einiges zu Klump und der „Punisher“ gibt sich wortkarg wie man es erwarten durfte. Nach Logik muss bzw. darf hier unter keinen Umständen gesucht werden, doch ist der Film ohne Frage ein echtes Schmankerl für Freunde harter Action-Filme, in dem noch nicht die Optik oder modische Überfrachtung heutiger Werke im Vordergrund steht.

Wertung: (6 / 10)

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