The Pledge – Das Versprechen (USA 2001)

das-versprechen-2002Es geschah am hellichten Tage…

Wenn sich Hollywood europäischem Filmstoff zwecks Eigeninterpretation annimmt, so verheißt das meist wenig Gutes. Egal ob Luc Bessons „Nikita“, Ole Bornedals „Nachtwache“, George Sluizers „Spurlos“, Frank Beyers „Jakob der Lügner“ oder zuletzt Alejandro Amenabars „Abre los ojos“, sie alle bleiben hinter dem Original zurück. Dass dies nicht immer so sein muss, bewies Sean Penn, seines Zeichens begnadeter Darsteller („Sweet and Lowdown“) und Regisseur („The Crossing Guard“) mit dem gefloppten Krimi-Drama „The Pledge – Das Versprechen“.

Allerdings muss angemerkt werden, dass es sich hier nur bedingt um ein Remake, in diesem Falle des deutschen Kinoklassikers „Es geschah am hellichten Tage“ mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe handelt. Der Grund dafür liegt beim Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt („Die Physiker“), der im Jahre 1958 das Drehbuch zu eben jenem Film schrieb, das Thema einige Jahre später in seinem Roman „Das Versprechen“ aber noch einmal aufgriff und mit einigen einschneidende inhaltlichen wie dramaturgischen Neuerungen versehen. Penns Film nimmt keinen Bezug auf den Kassenschlager der 60er, sondern wendet sich eher Dürrenmatts literarischer Umsetzung des Stoffes.

Am Tage seiner Pensionierung wird der in die Jahre gekommene Detective Jerry Black (Jack Nicholson) mit dem grausamen Mord an einem kleinen Mädchen konfrontiert. Ein vermeintlicher Täter (Benicio Del Toro) ist rasch gefasst. Als dieser jedoch erst gesteht und sich anschließend selbst richtet, scheint der Fall abgeschlossen. Nicht aber für Jerry, der den Eltern des Kindes bei seinem Seelenheil schwor, den Schuldigen zu fassen. Doch der aus dem Dienst geschiedene Polizist kann nicht erahnen, welchen Preis er für seinen Schwur zahlen muss. Schon bald wirft sich die Frage auf, ob er einem Wiederholungstäter oder doch einem Phantom auf der Spur ist und es regt sich der Verdacht, dass Jerry an der Einlösung seines Versprechens zu zerbrechen droht.

Sean Penns dritte Regiearbeit ist ein brillanter Abgesang auf das Genre des Polizei-Thrillers. Im Vordergrund steht der besessene Ex-Cop Jerry, der es sich zum alleinigen Lebensinhalt gemacht hat, den mysteriösen Täter zu fassen. So wird über einen Zeitraum von mehreren Jahren ein fesselndes Psychogramm eines Mannes aufgezeigt, der sich im Zuge seiner aufreibenden Jagd selbst zerstört. Die unspektakuläre Inszenierung glänzt vor allem durch die hervorragende Kameraführung und das gemächliche Erzähltempo, das mit einer Reihe verhaltener Spannungsmomente eine beklemmende Atmosphäre schafft. Gekrönt wird dieses herausragende Gesamtwerk durch ein Ensemble erstklassig agierender Darsteller, die Jack Nicholsons genial-subtilem Spiel nicht nur durch die zum Teil kaum mehr als eine Minute währenden Auftritte mehr als genug Raum zur kreativen Verwirklichung lassen.

So brillieren neben dem dreifachen Oscar-Gewinner Nicholson („Besser geht‘s nicht“) Sean Penns Ehefrau Robin Wright („Forest Gump“), Helen Mirren („Tötet Mrs. Tingle“), Benicio Del Toro („Traffic“), der mit erschreckend starkem Kurzauftritt versehene Mickey Rourke („Johnny Handsome“), Aaron Eckhart („Nurse Betty“) und Sam Shepard („Halbblut“). Ein meisterliches Drama ohne aufdringliche Effekte, das allein vom exquisiten Zusammenspiel der Akteure lebt. Dass Sean Penn die Kamera im Prinzip nur für eine knapp zweistündige Ein-Mann-Show Nicholsons freigibt, schadet dem Film nie, sondern verleiht ihm somit nur zusätzliche Intensität. Ein intelligent-anspruchsvoller Trip in menschliche Abgründe und zugleich eine geniale Verfilmung des düsteren Dürrenmatt-Romans.

Wertung: 8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • S. Darko (USA 2009)

    „Four days, 17 hours, 26 minutes, 31 seconds. That is when the world will end.“ – Samantha Die Fortsetzungen mancher Filme sind ein Sakrileg. Dabei ist es nicht nur ihre bloße Überflüssigkeit, es ist das zwangsläufige Scheitern im Schatten eines übergroßen Originals. Vor allem die sogenannten Kultfilme bedürfen keiner Ergänzung, keiner weiterführenden Auskleidung. Niemand käme…

  • Twister (USA 1996)

    Die Unwetterfront als Kinohappening. Jan de Bont macht´s möglich. Mit seinem Regiedebüt „Speed“ stieg der gebürtige Niederländer, der seine Karriere als Kamermann (u.a. „Stirb langsam“, „Basic Instinct“) begann, in Hollywoods Oberhaus auf. Darauf folgte „Twister“, ein Oscar-nominiertes Effektgewitter, das viel Kraft in die Tricks investiert und eine Plotte nahezu vernachlässigt. Dem Publikum schien das nur…

  • Columbus Day – Ein Spiel auf Leben und Tod (USA 2008)

    Ein Feiertag, eine öffentliche Parkanlage und der traurigen Blickes durch selbige schleichende Val Kilmer – der Minimalismus manch eines Filmwerkes neigt zur Verblüffung. Bei „Columbus Day“ jedoch geht diese kaum mit positiven Eindrücken einher. Denn die mit familiärem Drama angereicherte Thriller-Plotte wirkt so elend in die Länge gezogen, dass daneben nicht einmal mehr der krause…

  • Ted (USA 2012)

    „No matter how big a splash you make in this world, whether you’re Corey Feldman, Frankie Muniz, Justin Bieber or a talking teddy bear, eventually, nobody gives a shit.“ – „Star Trek: Next Generation“-Kapitän Patrick Stewart als Erzähler Wenn „Family Guy“-Erfinder Seth MacFarlane einen Film fürs Kino dreht, ist Respektlosigkeit Programm. Und obwohl „Ted“ sein…

  • The Shrine (USA 2010)

    Zu Hause fühlt sich der Amerikaner immer noch am wohlsten. Es ist ja auch unbestritten ein schönes Land, das in der nationalen Eigenwahrnehmung nicht selten zum Paradies verklärt wird. Weniger schön hingegen ist der Rest der Welt. Besonders der Osten Europas, der Dank der Aufklärung Hollywoods, besondere Gefahr für jedermann mit amerikanischem Pass bedeutet. Irgendwie…

  • It Follows (USA 2014)

    Die erblühende Sexualität ist eines der zentralen Motive im Horrorfilm. Inflationär ausgebeutet wurde es im Slasher-Subgenre, wo Beischlaf mit dem Tod bestraft wird und nur die Unbefleckten entkommen. Diesem Schema folgt prinzipiell auch „It Follows“. Nur geht in dem nervenzerrenden Independent-Kleinod kein maskierter Irrer auf Opferfang, sondern eine nicht näher beschriebene übersinnliche Spukgestalt. Die folgt…