The New Kids – Die Kids von Orlando (USA 1985)

„You want crazy? Well, I show you crazy!“ – Verrückt: Dutra

Schnell und günstig. So lässt sich die Produktion zahlloser B-Filme beschreiben. Einer, der damit populär wurde ist „Freitag, der 13.“-Schöpfer Sean S. Cunningham. Nach dem stilbildenden Slasher-Klassiker blieb der kometenhafte Aufstieg jedoch aus. Mit den folgenden Regiearbeiten, der Mary-Higgins-Clark-Verfilmung „A Stranger in the Dark“ (1982) und der Teen-Klamotte „Spring Break – Im Sauseschritt ins Dünenbett“ (1983), konnte Cunningham die Wirkung seines Durchbruchs nicht wiederholen.

Bevor er als Produzent des ironischen Schockers „House“ (1985) in die Erfolgsspur zurückfand, inszenierte er die Auftragsarbeit „The New Kids“. Als Studiovorlage erhielt er lediglich die Weisung, für schmales Geld einen Horrorfilm zu drehen. Dazu kontaktierte Cunningham verschiedene Drehbuchautoren, darunter Stephen Gyllenhaal („Tollwütig“), Vater der späteren Hollywoodstars Jake („Brokeback Mountain“) und Maggie Gyllenhaal („The Dark Knight“). Der ließ sich vom Besuch einer „Roadside Attraction“, einem Mini-Themenpark im Nirgendwo der USA, inspirieren. Ein Großteil des finalen Skripts fußt auf seinen Ideen.

Der auch produzierende Cunningham führt seine Hauptfiguren, die Geschwister Abby (der spätere „Full House“-Star Lori Loughlin) und Loren (Shannon Presby, „Discokiller in New York“), mit einer gehörigen Portion familiärer Geborgenheit ein. Der Vater (Tom Atkins, „The Fog – Nebel des Grauens“), ein kurz vor der präsidialen Heldenehrung stehender Militäroffizier, weckt die beiden bevorzugt in der Früh, um sie körperlich in Form zu halten. Das wird helfen. Schließlich stehen die Zeichen auf Psycho-Terror. Der entspinnt sich, als die Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen und die Teenager zu ihrem Onkel Charlie (Eddie Jones, „Rocketeer“) ins provinzielle Florida ziehen. Der pumpt seine Barschaft in einen heruntergekommenen Weihnachts-Vergnügungspark, wird der Vorbildfunktion daneben aber vollauf gerecht.

Problematischer wird es in der Schule, wo die Neuankömmlinge unverzüglich der sozialen Hackordnung ausgesetzt sind. An deren Spitze stehen Psychopath Dutra (wirkte 2002 mit Maggie Gyllenhaal in „Secretary“ mit: James Spader) und sein Redneck-Gefolge. Nur lassen sich Loren und Abby davon nicht beeindrucken. Das schürt Konflikte, die zusätzlich dadurch befeuert werden, dass Dutra und Kumpan Gideon (John Philbin, „Return of the Living Dead“) um Geld wetten, wer Abby als erster ins Bett bekommt. Dass sie mit dem sanftmütigen Mark (Eric Stoltz, „Killing Zoe“) anbandelt, ändert daran nichts. So schaukelt sich der Zwist über Anmachversuche, Sachbeschädigung und (beiderseitige) Drohgebärden so hoch, dass eine gewalttätige Eskalation unvermeidlich scheint.

Zur Musik von Lalo Schifrin, der auch den Soundtrack des artverwandten „Die Klasse von 1984“ (1982) komponierte, erhöht Cunningham schrittweise die Intensität. Zwar gibt es manche Füllszene – vor allem die Renovierung des als Kulisse für den Schlussakt dienlichen Freizeitparks bringt wenig Bewegung –, für die Platzierung über dem Durchschnitt bürgt aber bereits die überhöht psychopathische Performance Spaders. Die von ihm transportierte Boshaftigkeit trägt maßgeblich dazu bei, dass die Bestrafung des Abschaums süffisant ausgekostet wird. Der Showdown in Charlies Themenpark bleibt in Sachen Gewalt gezügelt, erscheint wie der Gesamtfilm aber souverän genug, um auch heute noch zu funktionieren. Gewalt erzeugt gewohntermaßen Gegengewalt, selbst wenn der teils schmalzige 80’s-Rock und die „Bleib stark“-Moral die unbequemen Aspekte konventionell erden. Schnell und günstig bedeutet eben nicht zwangsläufig unberechenbar.  

Wertung: 5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)

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