The Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (USA 2014)

the-maze-runnerDer Trend der Teen-Dystopien reißt nicht ab. Der überwältigende Erfolg von „Die Tribute von Panem“ lässt Hollywood-Produzenten nach einer Wiederholung gieren. Bei „Die Bestimmung“ funktionierte das passabel. Warum also auch nicht bei „The Maze Runner“? Die Verfilmung des Auftakts von James Dashners Romanreihe „Die Auserwählten“ schlug sich an den Kinokassen wacker. Bei einem Produktionsaufwand von gerade einmal 34 Millionen Dollar blieb die Fallhöhe aber ohnehin überschaubar. Überraschenderweise fährt das Langfilmdebüt von Wes Ball, der sich in der Hauptsache als Effektdesigner und Grafikkünstler (u.a. bei diversen „Star Trek“-Kurzdokumentationen) hervortat, trotzdem beachtliche Schauwerte auf. Dass die insbesondere der Ausarbeitung der Figuren im Wege stehen, mindert die Überzeugungskraft des undurchsichtigen Szenarios kaum.

Das begibt sich auf schmales Handlungsterrain und spielt zu einem Gutteil auf einer großen Lichtung. Über einen Lastenaufzug gelangt auch Thomas (Dylan O’Brien, „Teen Wolf“) dorthin. Wie allen Neuankömmlingen fehlt ihm die Erinnerung an sein bisheriges Leben. Da sind nur Fragmente. Und der bald dämmernde Vorname. Die im unbekannten Nirgendwo gestrandete und in einer provisorischen Ansiedlung lebende Gemeinschaft (u.a. Thomas Brodie-Sangster, „Game of Thrones“) besteht ausschließlich aus männlichen Teenagern. Manche von ihnen sind bereits seit drei Jahren in der mysteriösen Kommune. Die ist von unüberwindbaren Mauern umgeben, hinter denen sich ein täglich veränderndes Labyrinth erstreckt. Jeden Morgen öffnen sich große Tore und geben den Weg für die sogenannten „Läufer“ frei. Sie erkunden den Irrgarten und suchen nach einem Ausweg. Bislang vergebens.

Erschwert wird das Unterfangen durch die „Griever“, gefährliche spinnenartige Maschinenmonster, die nach Einbruch der Dunkelheit hinter den verschlossenen Toren ihr Unwesen treiben und den Tod derjenigen bedeuten, die nicht schnell genug die sichere Lichtung erreichen. Thomas entpuppt sich als neugierig und kaum gewillt, den Regeln der Gruppe zu folgen. Das bringt ihn mit Wortführer Gally (Will Poulter, „Son of Rambow“) in Konflikt, der durch ihn die Einheit des Kollektivs gefährdet sieht. Als Thomas eine Nacht im Labyrinth unbeschadet übersteht und zudem einen Griever tötet, stößt er mit Minho (Ki Hong Lee), dem Anführer der Läufer, auf Hinweise, die sie einer möglichen Flucht näher bringen. Gallys Misstrauen allerdings erhält mit Ankunft von Teresa (Kaya Rose Scodelario, „Skins“), die Thomas zu kennen scheint, neues Futter.

Trotz überzeugender Leistungen der Jungschauspieler bleiben die Charaktere oberflächlich umrissen. In gebotener Eile rauscht der Film über die Figuren und erst recht die Beschaffenheit des sozialen Gefüges mit seinen aufbrechenden Konflikten hinweg. Im Vordergrund stehen eindeutig das Labyrinth und die von ihm ausgehenden Gefahren. Das sorgt für beachtliches Augenfutter und eine überraschend düstere Note, aus der sich auch ein Gutteil der beständigen Spannung speist. Die Geschichte verknüpft mit einigem Geschick Motive aus „Herr der Fliegen“, „Lost“ und „Cube“ und wirft zahlreiche Fragen auf, deren Beantwortung aber den Folgeteilen obliegen wird. Zwar enträtselt das hastige Finale ein paar Hintergründe und zimmert zudem eine weitreichende, wenn auch auf den ersten Blick wenig sinnige Erklärung für den Überlebenskampf der Jugendlichen, seinen grundlegenden Zweck erfüllt der Film jedoch mühelos: Er weckt Neugier auf die Fortsetzung.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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