The Last Outlaw (USA 1993)

the-last-outlaw-rourkeWarum das Rad neu erfinden, wenn man auch das Auto des Nachbarn stibitzen kann! So oder so ähnlich könnten auch die Hirnwindungen von Drehbuchautor Eric Red („Body Parts”) argumentiert haben, als sie die Idee für den spröden TV-Western „The Last Outlaw” ersponnen. Denn das prominent besetzte Vehikel goutiert sich schamlos am Gedenken nonkonformer Pferdeopern eines Sam Peckinpah oder Walter Hill, reicht dabei über das bloße Kratzen an der Klasse der offenkundigen Vorbilder jedoch kaum hinaus. Die ansprechende Inszenierung des renommierten Filmemachers Geoff Murphy („Young Guns 2″) indes bewahrt den Streifen ebenso vor dem Absturz ins untere Mittelmaß wie gleichwohl die soliden Leistungen der namhaften Akteure.

Und auch wenn der Plot um eine Bande desillusionierter Bürgerkriegsveteranen auf kaltblütigem Beutezug altbacken und schematisch durch die staubige Prärie galoppiert, so kann „The Last Outlaw” doch zumindest auf ein gewisses Maß an atmosphärischer Dichte verweisen. Denn nach einem verpatzten Banküberfall bleibt der Gruppe um den sadistischen Südstaatenoffizier Graff (Mickey Rourke) nur die Flucht vor den nahenden Häschern. Im Zuge einer existenziellen Meinungsverschiedenheit wird Graff von seiner rechten Hand, dem prinzipientreuen Eastis (Dermot Mulroney) mit einer Kugel im Leib zurückgelassen. Doch entpuppt sich der vermeintlich zu Tode gekommene Anführer als robuster Schweinehund, der in der Folge mit dem tumben Marshall Sharp (Gavan O’Herlihy, „Willow”) kollaboriert, um sich seinerseits für den ruchlosen Verrat an seinem Kommando zu rächen. Als Graff den Marshall während eines Hinterhaltes unbemerkt niederstreckt, übernimmt er kurzerhand die Anführerschaft der geldgierigen Jagdgemeinschaft und bläst nun seinerseits zum kompromisslosen Feldzug gegen seine einstigen Untergebenen.

Der 1993 für den amerikanischen Fernsehsender HBO produzierte Film orientiert sich in der Hauptsache am Klassiker „The Wild Bunch” und kopiert, wie auch Walter Hills „Long Riders”, bzw. „Extreme Prejudice” zahlreiche Facetten aus dem virtuosen Oeuvre Sam Peckinpahs. Doch anstatt dem allgegenwärtigen Raubbau durch das Schöpfen charakterlicher Tiefe aus dem aufkeimenden Psycho-Duell zwischen Graff und Eastis entgegenzuwirken, verlieren sich die transparenten Figuren rasch in stumpfen Stereotypen. Mickey Rourke („Im Jahr des Drachen”) erscheint mit seinem wächsernen Antlitz und dem auf knappe Rasenkante getrimmten Bartwuchs wie die lachhafte Wildwestversion von Dr. Fu Manchu, siedelt den zynischen Psychopathen Graff jedoch zumindest in den wohligen Gefilden standesgemäßen Überagierens an. Dermot Mulroney („Young Guns”) entfaltet den undankbaren Part des „Good Guy” zwischen den perfiden moralischen Eckpfeilern des aufrechten Eastis mit aufblitzender Ausdrucksstärke, obgleich Regisseur Murphy den inszenatorisch fatalen Fehler begeht, das Handlungsgerüst auf die sporadischen Off-Erzählungen Mulroneys zu stützen und aufkeimende Spannung bezüglich des finalen Zweikampfes auf diese Weise an unverzügliche Vorhersehbarkeit zu verfüttern.

Ted Levine („Wild Wild West”) mimt derweil den robusten Einfältigen, John C. McGinley („Surviving the Game”) den obligatorischen Feigling und Daniel Quinn („Scanner Cop 1 + 2″) stellt als siechender Angeschossener den Auslöser der ethischen Grundsatzfrage, welche letztlich zum schicksalhaften Zerwürfnis der schießfreudigen Outlawgruppierung führt. Keith David („Saigon”) gibt den Schwarzen mit Interesse an Voodooritualen und Knochenkniffel, wenngleich dessen Interaktionen als potentiell befreiter Plantagenarbeiter mit einstigen Angehörigen der Südstaatenstreitkräfte einen historisch schalen Beigeschmack hinterlassen. Komplettiert wird die illustre Western-Posse vom schwärmerischen Träumer Steve Buscemi („Reservoir Dogs”), der inmitten ausgiebigster Sinnierungen einer goldenen Zukunft der Konturen seines Gesichtes durch eine großkalibrige Flinte beraubt wird. Am ehesten im Gedächtnis des Betrachters haften bleibt letzten Endes wohl einzig die zügellose Darstellung graphischer Gewalt.

Diese präsentiert sich, ganz dem Geiste der Vorbilder entsprechend, erstaunlich harsch und ruppig, für die Maßstäbe durchschnittlicher Fernsehunterhaltung gar ultrabrutal. Neben dem Stilmittel des erhöhten Blutbeutelberstens greift Geoff Murphy bei der Inszenierung seines passablen Spät-Westerns auch auf Versatzstücke von Stanley Kubricks „Full Metal Jacket” zurück und zeigt in quälend langen Einstellungen die fachgerechte Zerlegung Daniel Quinns in seine Bestandteile. Als kurzweilig orgiastisches Puzzle aus blutigen Feuergefechten und vorhersehbarer Dramaturgie funktioniert „The Last Outlaw” denn auch recht ordentlich, obgleich das schmale Konstrukt des Plots kaum mehr als eine handvoll bärtiger Männer offeriert, die bei ihrer Flucht durch die steinige Einöde aufgerieben werden. Die kurzweilige Umsetzung und der durchaus stimmige Tenor vermögen zwar kleinere Schwächen zu kaschieren, doch markiert der Neo-Western wahrlich keine Sternstunde des Genres. Somit bleibt ein gut fotografierter Film, der in seinem bleihaltigen Aufbegehren zumindest eingefleischte Ballermaniacs zum fidelen buddeln in den verschachtelten Winkeln der Videothek ihres Vertrauens animieren dürfte.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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