The Last House on the Left (USA 2009)

the-last-house-on-the-left-remakeTragen wir einen weiteren Horror-Klassiker zu Grabe: „The Last House on the Left“, das berüchtigte Debüt von Wes Craven („The Hills have Eyes“), nimmt in seiner Drastik selbst im Terror-Kino der Siebziger eine Ausnahmestellung ein. Dass ausgerechnet er selbst (mit dem damaligen Partner Sean S. Cunningham, „Freitag der 13.“) eine Neuverfilmung produzierte, die die Kontroverse moralischer Grenzüberschreitung zugunsten einer konventionellen Schlachtplatte aushebelt, beschädigt den Status des bis heute oft zensierten oder gleich beschlagnahmten Exploitation-Thrillers nachhaltig.

Früher rebellierten junge Filmemacher gegen die Veränderungen in Politik und Gesellschaft. Es war eine Zeit des Umbruchs, der sozialen Entfremdung, in der die ausgehende Hippie-Ära radikalisierten anti-autoritären Protestbewegungen Platz machte. Ihrem Geist entsprachen unabhängig produzierte Filmprojekte, die mit Tabus brachen und die Wunden des durch Vietnam traumatisierten Amerika schonungslos offen legten. Diesen verruchten Anarchismus hat der B-Film längst eingebüßt. Die Tonlage mag sich bis heute nicht grundlegend verändert haben. Dafür aber die Filmwirtschaft.

Unter der dreck- und blutverkrusteten Oberfläche sind die Terrorfilme von heute berechenbare Hochglanzprodukte, die den voyeuristischen Neigungen des Publikums nachgeben, anstatt sie zu hinterfragen. Auch Dennis Iliadis’ („Hardcore“) Remake richtet sich an ein Publikum, das gegen Provokation durch Tabubruch immun ist. Der Splatter ist nicht länger Gegenkultur, er ist Mainstream. Und so bedienen Craven und Cunningham lediglich einen Standard, der sich an kalkulierten Routine-Schocks und einem streng vorgezeichneten Schema exponierter Barbarei orientiert.

Der Plot ist weitgehend geblieben: Zwei Teenager-Freundinnen (Sara Paxton, Martha MacIsaac) werden vom brutalen Verbrecher Krug (TV-Darsteller Garret Dillahunt, „Deadwood“) und seinen Gefährten (u. a. Aaron Paul, „Breaking Bad”) entführt und in einem entlegenen Waldstück misshandelt. Zu Tode kommt, im Gegensatz zum Original, eine von ihnen. Es darf also ein Happy End zelebriert werden, dem die Rache der Eltern (Tony Goldwyn, Monica Potter) des überlebenden Mädchens voransteht. Als die Killer nämlich in deren nahe gelegenem Ferienhaus Unterschlupf suchen, drehen die den Spieß um.

Natürlich besitzt der Stoff, das zeigen die durchaus stilbetonten Szenen im Wald, die mit Gegenlicht und unmittelbarer Kamera Vergewaltigung und Mord aufzeigen, noch immer das Potential zu schockieren. Verloren jedoch gehen die Unberechenbarkeit und der diskursive Zündstoff. Iliadis effektvoller Reißer teilt sich mit Cravens wütendem wie handwerklich unzulänglichem Grenzgang von 1972 zwar Namen und die grobe Handlungsstruktur, ergeht sich im Finale aber in die erzreaktionäre Legitimation von Selbstjustiz. Dem ursprünglichen Ansatz läuft der Film damit zuwider – und billigt Gewalt, wo damals verstörende Leere stand.

Wertung: (4 / 10)

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