The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (GB/USA 2014)

the-imitation-game„Sometimes it is the people who no one imagines anything of who do the things that no one can imagine.“

Benedict Cumberbatch ist einer der talentiertesten Schauspieler der Gegenwart. Seit seinem Durchbruch mit der TV-Erfolgsserie „Sherlock“ wird er mit Lob überschüttet. Mittlerweile hat der 38-jährige Brite auch im Kino Fuß gefasst. Etwa als Schurke in „Star Trek: Into Darkness“ oder (mit wuchtiger Stimme und digitaler Physis) als Drache Smaug in den „Hobbit“-Filmen. Dabei bewies er stets, dass Blockbuster-Brimborium Charakterschauspiel nicht zwangsläufig im Wege stehen muss. Trotzdem vollzieht sich Cumberbatchs Aufstieg auf der großen Leinwand zögerlich. Dafür stehen auch seine Nebenrollen im Ensemble-Drama „Im August in Osage County“, das ihn neben Meryl Streep und Julia Roberts zeigt, oder „12 Years a Slave“.

Zweifel bestehen an seiner Klasse längst nicht mehr. Erst recht nicht nach seinem ersten großen Hauptpart, der des Alan Turing im Biopic „The Imitation Game“. Der brachte ihm neben einer Golden Globe- auch eine Oscar-Nominierung ein. Verdient sind diese Würdigungen fraglos, ist die Hingabe, mit der Cumberbatch seine Rollen ausfüllt, doch unübersehbar. Dazu offenbart er einen Hang zur unbedingten Verschmelzung mit der zu spielenden Figur, dem die Komplexität jenes Alan Turing mehr als gelegen kommt. Die unaufdringliche Inszenierung Morten Tyldums („Headhunters“) spiegelt diese Klasse nicht durchweg wider. Bisweilen wirkt die in drei Handlungs- und Zeitstränge gegliederte Erzählung bemüht tiefgreifend.

Dass der auf einem Sachbuch von Andrew Hodges basierende Film dennoch bewegt, liegt neben dem exzellenten Cumberbatch an der nüchternen Betrachtung der realen Ereignisse. Der absurd gefärbte Auftakt zeigt Mathematikprofessor Turing zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im Büro von Commander Denniston (Charles Dance, „Game of Thrones“). Mit Arroganz und Besserwisserei empfiehlt sich der autistisch wirkende Wissenschaftler für eine der wichtigsten Aufgaben des Militärs: die Entschlüsselung der deutschen Kodiermaschine Enigma. Mit der werden Nachrichten nach einem täglich wechselnden Muster chiffriert. Die Bewältigung dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe könnte den Kampf gegen das Hitler-Regime maßgeblich beeinflussen.

Mit entsprechender Eile setzt der Geheimdienst (vertreten durch Mark Strong, der mit Cumberbatch auch in „Dame, König, As, Spion“ spielte) ein Expertenteam – u.a. Matthew Goode („Stoker“) und Allen Leech („Downton Abbey“) – ein. Nur ist Turing ein unnahbarer Eigenbrötler, der wenig Interesse an sozialer Integration zeigt. Mit einem Brief an Winston Churchill erwirkt er seine Beförderung zum Teamleiter und initiiert den Bau einer Maschine, die Enigma überlisten soll. Die Kollegen zweifeln am Zweck dieser Maßnahme. Einzig die von Turing rekrutierte Joan Clarke (ebenfalls Oscar-nominiert: Keira Knightley, „Abbitte“) fühlt sich ihm verbunden.

Auch wenn der Zweite Weltkrieg über kurze Ausschnitte von Bombardements oder Doku-Schnipsel Ausdruck erhält, wahrt „The Imitation Game“ stets den Fokus auf Alan Turing. Die langjährige Entschlüsselung von Enigma (und daran geknüpft deren Folge) ist zwar zentraler Antriebspunkt seines Handelns, steht aber nicht im Mittelpunkt des Films. Denn übergeordnet verhandelt werden ganz andere Themen. Turings Homosexualität (und deren staatliche Verfolgung) etwa, die bereits als gehänselter Junge im Internat durchscheint und die ihn in der Nachkriegszeit unter anderer Vermutung ins Visier eines neugierigen Polizisten (Rory Kinnear, „Penny Dreadful“) rückt. Tyldums Werk ist weniger großes Erzähl- als vielmehr großes Schauspielerkino, das die Bedeutung des erst im neuen Jahrtausend rehabilitierten und für seine Verdienste gewürdigten Turing erst am Ende offenbart.

Wertung: (8 / 10)

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