The House of the Devil (USA 2009)

the-house-of-the-devilBabysitter haben im Horrorfilm meist schlechte Karten. Immerhin scheint ausgerechnet sie jeder noch so irre Psychopath auf dem Kieker zu haben. In Ti Wests „The House of the Devil“ ist das nicht anders. Wenn es auch eine Sippe von Teufelsanbetern ist, die in der jungen Samantha (Jocelin Donahue) das geeignete Gefäß für den neuen Antichristen gefunden zu haben glauben. Der Vollmond steht günstig und auch die medial viel beachtete Mondfinsternis stellt die optimalen Rahmenbedingungen für einen Anruf satanischer Kräfte.

Bis es aber auf der Zielgeraden (aus Zuschauer- und Dämonensicht endlich) zur Beschwörung der okkulten Macht kommt, plätschert der raffiniert stilisierte Thriller behäbig vor sich hin. Darüber hinweg tröstet der Look, mit dem West („Cabin Fever 2“) liebevoll in die Vergangenheit weist und sich authentisch visuellen Elementen der späten Siebziger und frühen Achtziger bedient. Die Kamera ist stets nah an den Protagonisten, der Score dudelt in eindringlich psychedelischer Nuancierung und die Anfangstitel werden in grellgelben Lettern aufs Zelluloid gestanzt.

Auch Setting und Ausstattung appellieren an nostalgische Neigungen und komplettieren ein audiovisuelles Gesamtkonzept von besonderer Güte. Nur Wests Skript spielt nicht mit. Das Ringen um Subtilität und ein eher zäher Erzählfluss darf auch manchem in den späten Siebzigern produziertem Original attestiert werden. Ein wenig mehr Tempo und vor allem ein konstanter Spannungsbogen hätten dem Film aber denkbar gut getan. So aber wird der Zuschauer Zeuge, wie Studentin Samantha über Umwege als Babysitter, wie sich herausstellt einer Greisin, in ein abgelegenes Anwesen gelockt wird.

Die Hausherren – Tom Noonan („Wolfen“) und Mary Woronov („Death Race 2000“) – machen einen friedfertigen Eindruck, zeigen, nachdem die junge Frau noch eine halbe Ewigkeit durch Flure und Zimmer geirrt ist, aber bald ihr wahres Gesicht. Trotz gelungener Zwischenschocks teilen Protagonistin und Publikum nicht das Gefühl des Unbehagens. Mit der finalen Beschwörungszeremonie und Samanthas (blutigem) Fluchtversuch gewinnt der Film fast zu spät an Fahrt. „The House of the Devil“ ist gut besetzt (u.a. mit Dee Wallace, „Cujo”), sieht verdammt gut aus und schöpft den Retro-Chic nahe der Vollendung aus. Nur schafft formale Klasse allein noch keine Spannung.

Wertung: (6 / 10)

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