The Hobbit (USA 1977)

In den 1970ern waren Orchester-Soundtracks aus der Mode gekommen. Einer der wenigen, die diese Meinung nicht teilen konnten, war George Lucas. Für „Star Wars“ (1977) vertraute er auf klassische Konzepte – und Komponist John Williams, der einen bedeutenden Beitrag zur ikonesken Zeitlosigkeit der Saga beisteuerte. Die von Arthur Rankin Jr. und Jules Bass („Das letzte Einhorn“) im selben Jahr fürs US-Fernsehen verantwortete Zeichentrick-Adaption von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Klassiker „The Hobbit“ geht den entgegengesetzten Weg. Hier besteht die musikalische Untermalung aus Folk-Einspielern, die ob ihrer Kürze – anders als beim Nachfolger „The Return of the King“ (1980) – aber nicht allzu störend ins Gewicht fallen. Zum Kern der Geschichte passen sie trotzdem nur bedingt.

Deren Verlauf ist weitläufig bekannt: Hobbit Bilbo Beutlin (mit der Stimme von Orson Bean, „Anatomie eines Mordes“) wird jäh aus dem gemütlichen Leben herausgerissen, als ihn Zauberer Gandalf (Regie-Ikone John Huston, „Die Spur des Falken“) als Dieb für ein abenteuerliches Unterfangen rekrutiert. Mit ihm und zwölf Zwergen soll Bilbo zum weit entfernten Berg Erebor reisen, um das versunkene Königreich der Zwerge zurückzuerobern. Doch die tief im Fels lagernden Reichtümer werden vom mächtigen Drachen Smaug (Richard Boone, „The Shootist“) beansprucht. Auf dem Weg lauern Trolle, Waldelben (als Anführer: „Exodus“-Regisseur Otto Preminger) und Goblins. In deren Höhle begegnet Bilbo dem hier krötenhaft wirkenden Gollum und gerät in den Besitz des magischen, des einen Ringes.

Anders als Ralph Bakshis im Folgejahr produzierter Kino-Trickfilm „Der Herr der Ringe“ spart das Duo Rankin/Bass Gewalt und Dunkelheit weitgehend aus – eine Ausnahme bleibt die Begegnung mit den Riesenspinnen im Düsterwald. Das allerdings fügt sich in die kindgerechte, oft märchenhafte Vorlage Tolkiens. Die Erzählung hält sich, beginnend beim berühmten Einleitungssatz über den in einem Loch im Boden hausenden Hobbit, eng an das Buch, kürzt dieses jedoch stark ein. Die weitgehend eilige Verkettung der relevanten Reisestationen entfaltet dennoch genug Charme, um den Streifen für Groß und Klein vergnüglich zu gestalten. Die erste filmische Näherung an Tolkiens Werk ist der in Deutschland bis heute unveröffentlichte „The Hobbit“ indes nicht: Bereits 1966 legte Gene Deitch einen rund 12-minütigen Kurzfilm gleichen Namens vor.

Der Zeichenstil von Figuren und Kreaturen weist bei Rankin/Bass deutliche Unterschiede zu Bakshis Quasi-Fortsetzung auf. Alles wirkt freundlicher, zugänglicher, was durch die Anmutung der gedrungenen, wenig monströs gearteten Goblins exemplarisch verdeutlicht wird. Die Zwergen-Gemeinschaft, die charakterlich kaum zur Geltung kommt, wirkt hingegen wie die gealterte Version ihres Pendants aus Disneys „Schneewittchen“ (1937). Für die technische Umsetzung wurde das japanische Studio Topcraft verpflichtet, aus dem später das berühmte Studio Ghibli („Chihiros Reise ins Zauberland“) hervorgehen sollte. Zum echten Klassiker reicht es für die solide, immerhin werkgetreue Adaption nicht. Für Tolkien-Anhänger ist sie dennoch eine Entdeckung wert.

Wertung: (6 / 10)

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