The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen (USA 1977)

the-hills-have-eyes-craven„We’re gonna be french fries! Human french fries!” – Brenda

Mit „Last House on the Left“ (1972) stellte Wes Craven („Scream”) das Kino auf den Kopf und transportierte, wie auch George A. Romeros „Night of the Living Dead“ (1968) und Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ (1974), die Schattenseite der Wohlstandsgesellschaft durch die Ästhetik des Horrorfilms. Jener Zirkel junger, unkonventioneller und mutiger Filmemacher verlieh dem Genre ein neues, bis dahin unbekannt kompromissloses Gesicht. Die Folge war die Auslieferung des Publikums an eine Welt des Schmerzes. Die Gründerväter des modernen Horrors drückten ihre Finger tief in soziokulturelle Wunden und übersetzten die Entwicklungen einer Ära politischen Ungleichgewichts in Metaphern des Grauens. Cravens dritte Regiearbeit „The Hills Have Eyes“ (1977) setzt diesen Trend fort.

Wie bei „Last House on the Left“ bricht Craven die Erzählstruktur des zeitgenössischen Kinos auf. Die Figuren sind nur Mittel zum Zweck, die Dialoge erwecken zu keiner Zeit den Anschein dezidierter Charakterzeichnung. Es geht nicht um das, was die Protagonisten sagen, sondern um das, was sie repräsentieren. Hier ist es die typische amerikanische Familie. Die ist mit Auto und Wohnmobil auf dem Weg in den Sommerurlaub, strandet aufgrund einer Panne aber im öden Niemandsland. Durch Atomversuche ist das weiträumige Militärareal verstrahlt, was eine Horde Hinterwäldler (u.a. Michael Berryman, „Cut and Run”) in degenerierte Menschenfresser verwandelt hat. Und denen kommt die verirrte Familie als vermeintlich schwächeres Glied der Nahrungskette gerade recht.

Der Blick hinter die Fassade gelingt dem Regisseur auch hier. Sein Film schöpft die clevere Doppelbödigkeit aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Die im Schutze der Nacht attackierte Familie ist gezwungen sich zu verteidigen und den Angriffen der wegelagernden Kannibalen mit gleicher Sprache zu begegnen. Gewalt muss in diesem Fall Gegengewalt erzeugen. Setzen sich die Gestrandeten nicht zur Wehr, kommt der Handlungsverzicht einem stummen Einverständnis des eigenen Todes gleich. Zuerst erwischt es den Vater (Russ Grieve, „Die Toten sterben nicht“), durch seine soziale Rolle als Polizist Inbegriff bestehender Ordnung. Feste Strukturen werden angegangen und zerschlagen, das männliche Patriarchat durch sexuelle Anspielungen grotesk verzerrt.

In einem der prägendsten Momente des Films wird Brenda (Susan Lanier, „Madame X“) von einem der Wilden – die in der ursprünglichen deutschen Fassung als Außerirdische (!) deklariert wurden – mit einem Revolver bedrängt. Die Kamera zeigt dabei von oben, wie ihr die Waffe in den offenen Mund geschoben wird. Die Metapher mag nach heutigen Ansichten abgedroschen erscheinen, doch erfüllt sie in dieser intensiven Sequenz eindeutig ihren Zweck. Das verstörende Element in „The Hills Have Eyes“ ist – ungeachtet der Umsetzung des Billig-Schockers – die trotz eindeutiger Polarisierung fehlende Moral. In der Schlusssequenz, wenn sich das Blatt gewendet hat und die Feinde in ihrer Abgestumpftheit kaum noch zu unterscheiden sind, blendet Craven aus. Das Tier ist Teil des Menschen. Mehr musste im Grunde nicht gesagt werden.

Wertung: (7 / 10)

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