The Hamiltons (USA 2006)

the-hamiltonsDer Volksmund sagt, eine jede Familie habe Leichen im Keller. Auf die Hamiltons trifft das im buchstäblichen Sinne zu. Drei Brüder und eine Schwester proben nach dem Tod der Eltern den Zusammenhalt. Unter schweren Bedingungen, überschreiten die (scheinbaren) Vorlieben mancher Mitglieder doch die Grenzen des guten Geschmacks. Das äußert sich gleich zu Beginn, wenn eine junge Frau in einem verschlossenen Kellerverschlag um ihr Leben bangt, während es an einer mit Vorhängeschlössern gesicherten Tür beträchtlich rappelt. Die subjektive Kamera kommt ins Spiel, ein Schrei ertönt und Schwärze legt sich über das Bild.

Die Inneneinrichtung ihres Domizils wirkt steril, wie die Musterräume eines Möbelhauses. Ebenso die entrückten Figuren, deren Besetzung fern gebotener Überzeugungskraft agiert. Der älteste Bruder, David (Samuel Child, „Boundaries“), verdient Geld in einer Schlachterei. Trotzdem besucht sie regelmäßig ein Sozialarbeiter, für dessen Einsatz um das Wohl der verwaisten Geschwister keine Erklärung abgegeben wird. Der schüchterne Teenager Francis (Cory Knauf, „Pocahauntus“) zeichnet die Geschehnisse in seinem Umfeld mit einer Videokamera auf. Ihm scheint der familiäre Zustand nicht geheuer, was ihn wiederholt in Konflikt mit Bruder Wendell (Joseph McKelheer, „Dirty“) stürzt.

Der liest zwei Anhalterinnen auf, die nach unsanfter Entführung im Keller der Hamiltons landen. Wiederholt werden die Opfer auf einen Operationstisch geschnallt. Was dort mit ihnen geschieht, lassen die Regie führenden „Butcher Brothers” bei ihrem faden Debüt lange unklar. So werden Fragen aufgeworfen, an die jedoch keinerlei Spannung geknüpft ist. Die Dramaturgie weckt wenig Neugier, ist bis zur Auflösung der weitgehend vorhersehbaren Schlusswendung aber durchaus interessant aufgezogen.

Der Konflikt zwischen Francis und den Aktivitäten der Geschwister spitzt sich zu, als er seine Sympathie für Sam (Rebekah Hoyle, „Air Marshall“), eine der entführten Frauen, entdeckt. Welchem Trieb sich der Junge erwehrt, von welch rätselhafter Krankheit die Hamiltons befallen sind und welch unbekannte Kreatur sich hinter Lenny, dem Bewohner des besagten Holzverschlags im Keller verbirgt, sind die entscheidenden Aspekte, um die „The Hamiltons“ zirkuliert. Dazu kommen inzestuöse Neigungen der Zwillinge Wendell und Darlene (Mackenzie Firgens, „Revolution Summer“) sowie Davids Homosexualität, die das Bild der dysfunktionalen Sippschaft nähren, ohne ihm Tiefe zu verleihen.

Das Portrait gestörter Familienverhältnisse, mittlerweile eines der Leib- und Magenthemen des US-Independentfilms, bekommt durch den Brückenschlag zum Horrorfilm einen Kniff, der an der Unausgegorenheit der Umsetzung scheitert. Die Ideensammlung zwischen „American Beauty“ und „Martin“ scheint reizvoll, ohne dass dem Potenzial der Geschichte genüge getan wird. Zwar verzichten die Butcher Brothers – entgegen ihres Namens – auf graphische Gewalt, der Anspruch bleibt dennoch die Einbildung eines unbeholfenen Low-Budget-Thrillers, der auf verschiedenen (räumlichen) Ebenen funktionieren will, es aber einfach nicht schafft.

Wertung: (4 / 10)

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