The Grey – Unter Wölfen (USA 2012)

the-grey-neesonLiam Neeson ist ein alter Wolf im Filmgeschäft. Souverän meistert er sowohl Rollen in Hollywood-Blockbustern („Zorn der Titanen“) als auch in anspruchsvollem Spartenkino („Five Minutes of Heaven“). Irgendwo dazwischen liegt „The Grey – Unter Wölfen“, nach „Das A-Team“ Neesons zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Joe Carnahan. Der schrieb das Drehbuch nach einer Kurzgeschichte Ian Mackenzie Jeffers‘ selbst und holt zu einem unterschwellig existenzialistischen Überlebens-Thriller vor imposanter Naturkulisse aus. Im Gegensatz zum darin verankerten Wolfsrudel fehlt der Erzählung jedoch der lange Atem.

In Alaska arbeitet John Ottway (Neeson) für einen Ölkonzern und beschützt mit seiner Flinte Bohrarbeiter vor wilden Tieren. So rau und zerklüftet wie das Land ist auch der lebensmüde Einzelgänger, der immer wieder von schmerzhaften Erinnerungen an (s)eine Frau gepeinigt wird. Das Warum serviert Carnahan erst am Ende, mit Ottways letztem Aufbäumen. Als der mit einer Gruppe Arbeiter in die Heimat geflogen werden soll, gerät die Maschine in einen heftigen Schneesturm und stürzt in der Wildnis ab. Neben ihm überleben nur sieben Männer die Katastrophe, darunter der gleichmütige Talget (Dermot Mulroney, „J. Edgar“) und der ewige Querulant Diaz (Frank Grillo, „Warrior“).

Anfangs versuchen die grundverschiedenen Männer im Flugzeugwrack Schutz vor der eisigen Kälte zu finden. Doch es ist nicht die schwindende Hoffnung auf Rettung, die lebensfeindliche Witterung oder die Knappheit an Vorräten, die die Schicksalsgemeinschaft in die Ungewissheit der unwirtlichen Natur treibt, sondern ein Rudel Wölfe. Denn die Absturzstelle liegt mitten im Jagdrevier einer hungrigen Meute, die bereits kurz nach dem Unglück Witterung aufgenommen hat. Nachdem es erste Opfer zu beklagen gibt und die Tiere im Schein des Feuers gefährlich nahe kommen, drängt Ottway die anderen Überlebenden zur Flucht.

Die ist gesäumt von unberechenbaren Attacken – und aufbrechenden Konflikten innerhalb der rasch an die Grenzen ihrer körperlichen Kräfte stoßenden Gruppe. Carnahan nimmt sich Zeit, um die Hintergrundgeschichten der Männer zu beleuchten. Bisweilen zu viel Zeit. Das schafft Längen, die im Zusammenwirken mit Katastrophenfilm-Klischees für einiges Ungleichgewicht sorgen. „The Grey“ bleibt ein grundlegend packendes Drama zwischen Survival-Thriller und Tier-Horror, dessen Versuche eines anspruchsvollen Subtextes jedoch durch dramaturgische Unzulänglichkeiten und Anflüge unfreiwilliger Komik konterkariert werden. Einen alten Wolf wie Neeson bringt das aber glücklicherweise nicht aus der Ruhe.

Wertung: (6 / 10)

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