The Gaslight Anthem – American Slang (2010, SideOneDummy)

the-gaslight-anthem-american-slangAls eine der verheißungsvollsten Bands der letzten Jahre dürfen getrost THE GASLIGHT ANTHEM genannt werden. Abseits höherer Chartplatzierungen natürlich, wobei dies für die Zukunft grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann. Denn der Jersey-Vierer hat alles, was eine gute Band braucht. Einen charismatischen Sänger und unglaublich guten Geschichtenerzähler, einen eigenen Sound, sympathisches Auftreten und bereits jetzt eine Unmenge an Hits und Hymnen. Was sich im Übrigen auch nicht mit ihrem dritten Studioalbum „American Slang“ groß ändern wird. Aber wer hätte das nun auch erwartet?

Diejenigen, die den Weg von „Sink or Swim“ zu „The ’59 Sound“ eher beschwerlich fanden, werden mit dem neuen Album gewiss ähnliche Probleme haben. Die Veränderungen mögen nicht so gravierend wie damals ausfallen, aber punktuell klingt „American Slang“ schon anders als sein Vorgänger. Das früher von rauchigem Charme umnebelte Organ Brian Fallons klingt immer weniger nach Kneipe und auch der Sound an sich wirkt kräftiger und weniger roh. Aber das war im Grunde auch schon auf „The ’59 Sound“ so. „American Slang“ hört sich vielerorts „reifer“ an, als hätten sie eine weitere Stufe einer logischen und irgendwie auch erwartbaren Entwicklung erreicht. Die Songs wirken in ihrem Aufbau und ihrer Dramatik authentischer. Es geht nicht um die offensichtlichen Hits, gerne dürfen sich solche jetzt erst entwickeln. Eine Nummer wie „The Diamond Church Street Choir“ könnte es mit seiner bluesigen Note und dem Fingerschnippen glatt in den letzten Zügen vom Proberaum oder ein Jam-Session auf das Album geschafft haben. Anfängliche Skepsis weicht hier nach und nach purer Begeisterung.

Was bleibt sind definitiv diese großartigen kleinen Geschichten. Obwohl sich manches sicherlich wiederholt. Da wird von Tattoos gesungen, genauso wie von Freundschaft, Liebe und dem Leben an sich. Der Titeltrack „American Slang“ oder das gleich folgende „Stay Lucky“ wirken wie der Beginn des Vorgängers. Melancholie weicht einer fast ausgelassenen Stimmung. Zumindest musikalisch. Aber manches braucht eben seine Zeit. Bis man zu „Orphans“ freudentrunken sein Bier verspritzen will sind ein paar Durchgänge nötig und auch das vermeintlich sicher sitzende „Boxer“ hört sich irgendwie „erwartbar“ an. Zum Taschentuch darf man dann auf den letzten Metern des Albums greifen, wenn sie mit der Ballade „We Did It When We Were Young“ das melancholische Finale einläuten und hier an den ganz großen Gefühlsregungen gerüttelt wird. Das gelingt „American Slang“ sonst nicht immer und auch wenn „Sink Or Swim“ weiterhin unerreicht bleiben wird, ein starkes Stück ist das hier immer noch. Alles andere wäre aber auch eine mittelschwere Enttäuschung gewesen.

Wertung: (8 / 10)

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