The Funhouse – Das Kabinett des Schreckens (USA 1981)

the-funhouse„You will scream with terror. You will beg for release. But there is no escape, nor there is no release from the funhouse.“ – Lockstoff fürs Jahrmarktpublikum

Der Eindruck täuscht. „The Funhouse“, in Deutschland mit „Das Kabinett des Schreckens“ übersetzt, ist kein archetypischer Slasher. 1981, in der Hochphase des Genres gedreht, wagte Tobe Hooper die Abkehr von leicht beschürzten Damen und wahnsinnigen Serienmördern und servierte einen effektiv gefilmten Horror-Thriller, der aus dem Zusammenspiel von Schnitt und Sound eine schaurige, fast klassische Gänsehautatmosphäre generiert. Und dass, obwohl der Regisseur des „Texas Chainsaw Massacre“ bewährte Klischees (bspw. Jungfräulichkeit als Überlebensgarantie) ohne Zögern aufgreift.

Zitier- und anspielungsfreudig bereits der Auftakt: Mit subjektiver Kamera (durch die Sehschlitze einer Clownsmaske) und drohendem Duschmord wird den Thriller-Wegweisern „Halloween“ und „Psycho“ Referenz erwiesen. Nebenbei sind es die Universal-Gruselklassiker, allen voran „Frankenstein“, auf die Hooper verweist. Die Story rankt sich um vier Jugendliche (u.a. Elizabeth Berridge, „Amadeus“), die sich nach einem Jahrmarktbesuch zum Spaß in der Geisterbahn einschließen lassen und dort die Nacht verbringen. Als sie Zeuge werden, wie der Sohn des Geisterbahnbetreibers, ein sabbernder Freak in Frankenstein-Kostümierung, einen Mord verübt, geraten sie selbst in Lebensgefahr.

Hooper ist offenkundig begeistert vom Flair des Rummelplatzes und seinen illustren Schaustellern. Sie wirken wie gesellschaftliche Fremdkörper, wie die zweiköpfige Kuh, die für ein paar Cents von Schaulustigen begafft werden kann. Doch Lichtergewirr und Schausteller hemmen die erzählerische Dynamik. In Gang kommt die Geschichte praktisch erst in der letzten halben Stunde, wenn der Geisterbahnbetreiber und sein missratener Sohn Jagd auf die Eingeschlossenen Teens machen. Überraschend gestaltet sich übrigens die Demaskierung des Killers, der sich nicht als degenerierter oder zurückgebliebener Junge entpuppt, sondern als Monster mit bestenfalls erahnbaren menschlichen Zügen.

Dessen Treiben sorgt für vereinzelte Härten, die aber weder purem Selbstzweck entsprechen noch besonders blutrünstig ausstaffiert sind. In Großbritannien reichte es, wohl eher aufgrund des deutlichen Drogenkonsums, dennoch für ein Verbot und die Aufnahme in die Liste der berüchtigten „Video Nasties“. Auch heute noch ansprechend ist der Film, dessen Skript Dean R. Koontz Roman „Geisterbahn“ inspirierte, insbesondere durch die visuelle Verspieltheit und die Verweigerung gegenüber Vorhersehbarkeit und Klischees. So reiht sich „The Funhouse“ trotz gewaltiger inhaltlicher Unterschiede trefflich in die hooper’sche Galerie des Grauens ein, die mit dem ruppig-realitätsbetonten „Texas Chainsaw Massacre“ ihren Anfang nahm und mit dem exploitativen Grindhouse-Horror „Eaten Alive“ fortgeführt wurde.

Wertung: (6,5 / 10)

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