The Experiment (USA 2010)

the-experiment-brodyWenn Menschen zu Bestien werden: Mit „The Experiment“ bereitet „Prison Break“-Erfinder Paul Scheuring den berühmten Stanford-Prison-Versuch von 1971 filmisch neu auf. Statt der reellen Ereignisse folgt er der populären deutschen Version, die Oliver Hirschbiegel als Adaption von Mario Giordanos Erfolgsroman „Black Box“ 2001 bereits unter dem Titel „Das Experiment“ drehte. Hinter dem bleibt Scheurings plakatives Remake deutlich zurück, wenn das zum packenden Psycho-Duell ausartende Aufeinandertreffen der Oscar-Preisträger Adrien Brody („Der Pianist“) und Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland“) auch Momente gesteigerter Intensität garantiert.

Im Dienste der Verhaltensforschung soll eine Gruppe ausnahmslos männlicher (und sozial weitgehend unauffälliger) Probanden über einen Zeitraum von zwei Wochen in die Rollen von Gefangenen und Wärtern schlüpfen. In einem ländlich gelegenen Komplex werden die per Losverfahren zugeteilten 26 Männer isoliert und ohne Einwirkung der Außenwelt aufeinander losgelassen. Die zahlenmäßig in der Minderheit belassenen Aufseher haben Regeln aufzustellen und die Inhaftierten wenn nötig zu bestrafen, um die bestehende Ordnung aufrecht zu erhalten. Sollte dies nicht geschehen, kündigt das Aufleuchten einer roten Lampe das Ende des Experiments an und entlässt die Teilnehmer ohne Bezahlung.

Der Versuch soll zeigen, wie Menschen auf unkontrollierbare Stresssituationen reagieren und wie ungewohnte Machtpositionen das Verhalten beeinflussen. Auf Seiten der Wärter brechen schnell sadistische Neigungen durch, die der in die Führungsrolle drängende Barris (Whitaker), eigentlich ein frommes Muttersöhnchen, fördert und bestärkt. In Freigeist Travis (Brody) weckt das den Drang zur Auflehnung. Nur führen diese Provokationen zu immer rigideren und entwürdigenderen Sanktionen. Um seine Autorität zu wahren schreckt Barris, obwohl durch Sozialforscher Archaleta (Fisher Stevens, „Factotum“) im Vorfeld strikt untersagt, bald auch vor offener Gewalt nicht mehr zurück.

Der selbst in den USA nur auf DVD veröffentlichter Thriller lebt von der Intensität der Eskalation zwischen den Hauptfiguren. Brody und Whitaker spielen gewohnt sehenswert, doch erweisen sich die Nebenfiguren (allen voran auf Wärterseite) als klischeehafte Befeuerung der zunehmend menschenverachtenden Abwärtsspirale. Die ist trotz Erwachsenenfreigabe nicht zwingend drastischer geraten als Hirschbiegels Variante, kehrt die Methoden der Erniedrigung aber deutlicher in den Vordergrund. Am Ende folgt ein flacher Gegenschlag der Gefangenen, bei dem Scheuring inszenatorisches Fingerspitzengefühl vermissen lässt. so schafft der auch von ihm geschriebene Film zwar eine gewisse Beklemmung, bleibt gerade bei der Ausarbeitung der Charaktere aber zu undifferenziert.

Wertung: (5 / 10)

scroll to top