The Equalizer 3 (USA 2023)

„I understand weakness. I understand pain. I understand death. I understand suffering. And because of these people, I’m starting to understand peace. You can’t take that away from me.“ – Kämpft für den (eigenen) Frieden: McCall

Im dritten Teil der „Equalizer“-Reihe, vage auf der 80er-Serie gleichen Namens beruhend, findet Robert McCall (Denzel Washington) seinen Frieden. Dafür verschlägt es ihn nach Italien, genauer an die Amalfi-Küste, wo er im Prolog das tut, was er am besten kann: Unrecht mit harter Hand sühnen. Doch nachdem die stets gelassen wirkende Ein-Mann-Armee auf einem entlegenen Anwesen ein Verbrechersyndikat ausgemerzt hat, jagt ihm ausgerechnet ein Teenager eine Kugel in den Rücken. Was folgt ist Genesung in einem beschaulichen (fiktiven) Küstenstädtchen, wo niemand bohrende Fragen stellt. Nicht Polizist Gio (Eugenio Mastrandrea, „A.C.A.B.“) und erst recht nicht der lokale Arzt Enzo (Remo Girone, „Live By Night“), bei dem der verwundete Quasi-Tourist zu Kräften kommt.

Und natürlich braucht er die bald. Schließlich ist das Schlendern durch das lebensbejahende urbane Idyll mit seinen freundlichen Menschen nichts, was einen Actionfilm am Laufen hält. Also gibt es eine Gruppe Mafiaschergen, die von Marco (Andrea Dodero, „Thou Shalt Not Hate“) angestachelt wird und in der Stadt Schutzgeld eintreibt. Das kann McCall unmöglich kalt lassen und so sucht er bald auf die gewohnt ruhige Art den Konflikt mit den Berufskriminellen. Deren oberster Anführer ist der brutale Vincent Quaranta (Andrea Scarduzio, „Hard Night Falling“), Marcos Bruder. Dessen Methoden – und mehr noch Geschäfte mit syrischen Terroristen – sorgen dafür, dass McCall nicht nur selbst eingreift, sondern auch die junge CIA-Agentin Emma Collins (spielte neben Washington schon in „Man on Fire“: Dakota Fanning) kontaktiert, die als Ermittlerin vor Ort eingesetzt und von ihm mit Ratschlägen unterstützt wird.

Dass es Regisseur Antoine Fuqua, der mit Washington auch die beiden Vorgänger sowie „Training Day“ (2001) und „Die glorreichen Sieben“ (2016) drehte, nach dem gewaltsamen Auftakt gemächlicher angehen lässt, prägt die Stimmung des Films maßgeblich. McCall darf zu sich selbst finden, das Leben genießen und Abstand nehmen – nicht umsonst sollte der im Untertitel „The Final Chapter“ betitelte Streifen ursprünglich den Abschluss der Reihe bilden; mittlerweile sind allerdings gleich zwei weitere Teile angekündigt. Der zweifache Oscar-Preisträger Washington überzeugt dabei abermals, gerade in der Gratwanderung zwischen Gelassenheit und tödlicher Präzision. Dass man ihm den unerschütterlichen Einzelkämpfer mit vigilanter Tendenz auch im dritten Anlauf abnimmt, überrascht daher keineswegs. Die Routine vor wie hinter der Kamera täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Geschichte zunehmend ins Leere läuft.

Denn als Vincent selbst ins Geschehen eingreift und die gesamte kleinstädtische Gemeinschaft bedroht, stellen Fuqua und das Autorengespann um Richard Wenk („Kraven the Hunter“) die Weichen für eine groß angelegte Konfrontation in Western-Manier. Nur bleibt der üppige Showdown aus, da McCall den Kampf lieber präventiv in Vincents Anwesen trägt. Auch das ist fraglos knackig und mit manch grober Härte umgesetzt, nur erscheint es einerseits überhastet und bleibt andererseits zu sehr dem Schema des schier übermenschlichen Einzelkämpfers unterworfen. Hier wurde eindeutig die Chance verpasst, die Formel der Serie zu variieren und ihrem Helden selbst Unterstützung zuteilwerden lassen – so wie er es als Brückenschlag zu den Vorgängern mit Emma tut. So bleibt es am Ende dann doch bei Dienst nach Vorschrift, professionell inszeniert und gut gespielt, aber eben doch zu sehr in den eigenen Konventionen gefangen. Fans der Reihe dürften sich daran allerdings kaum stören.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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