The Descent (GB 2005)

the-descentMit seinem Spielfilmdebüt „Dog Soldiers“ (2002) machte der Brite Neil Marshall auf sich aufmerksam. Diesem Empfehlungsschreiben ironischer Splatter-Burleske lässt der Autor und Regisseur mit „The Descent“ einen Referenzpunkt folgen, der bar jeder Ironie zum furchterregendsten zählt, was in den vergangenen Jahren über die Leinwände flimmerte. In Ideengebung und Ausführung so simpel wie effektiv, strickt Marshall ein glaubhaftes menschliches Drama und löst selbiges in einer orgiastisch blutbesudelten Klimax auf.

Ein Jahr nach dem tragischen Verlust von Mann und Tochter begleitet Sarah (Shauna Macdonald, „The Debt Collector“) ihre Freundinnen Beth (Alex Reid, „Arachnid“) und Juno (Nathalie Jackson Mendoza, „Moulin Rouge“) auf eine Kletterpartie in die amerikanischen Appalachen. Zusammen mit drei weiteren Frauen will das Trio in der Abgeschiedenheit ein Höhlensystem erkunden. Als ein eingestürzter Tunnel den Rückweg versperrt, kämpfen sich die Eingeschlossenen durch enge Spalten der Hoffnung eines Auswegs entgegen. Erst ist es eine Ahnung, dann erschreckende Gewissheit, dass sie in der Tiefe nicht allein sind.

Neil Marshall erzeugt ein identifikatorisches soziales Umfeld und zeichnet seine Figuren mit scheinbarer Beiläufigkeit nach. Die Verbindungen zwischen den Frauen bleiben vage, spielen für den langsam heranschleichenden Horror im Grunde aber auch nur eine untergeordnete Rolle. Noch bevor sich „The Descent“ in Hälfte zwei radikalem Blutvergießen öffnet, zieht der Regisseur die Spannungsschraube bis zur Unerträglichkeit an. Was folgt ist eine Adrenalin pumpende Schauermär, die durch ihre glänzende Besetzung beständige Panik atmet.

In matten Farben saugt Regisseur Marshall die Hoffnung aus den Bildern. Ähnlich Stanley Kubricks „The Shining“ (1980) wird die Isolation des Handlungsraumes durch einen Kameraflug über das abgelegene Areal verdeutlicht. So macht sich noch vor dem Einstieg in den Schlund der Erde Beklemmung breit. Eine Flucht scheint ebenso ausgeschlossen wie die Rettung von Außerhalb. Nicht zuletzt, weil auch der Kampf in den eigenen Reihen seinen Tribut an das intensivierte Grauen zollt.

„The Descent“ ist ein schonungsloser Schocker zwischen Klaustrophobie und Paranoia. Mit originellen Ideen und einer konsequent düsteren Inszenierung wiegt der großartige Angstmacher sein bescheidenes Budget auf. Große Namen braucht es dazu ebenso wenig, wie einen männlichen Hauptdarsteller. Der nervenzerreißende Thriller lebt bis zum interpretationsfreudigen Finale von seiner Unberechenbarkeit – und fesselt in einer Weise, die der moderne Horrorfilm nur noch selten offenbart. Erhöhte Pulsfrequenz inklusive.

Wertung: (8,5 / 10)

scroll to top