The Dentist (USA 1996)

the-dentistOb Psychiater, Barbiere Wallstreet-Yuppie oder Clowns – im Subgenre des Killerfilms gibt es so gut wie keine Zunft, die nicht schon als Plattform für Geschichten voll des Horrors herhalten musste. Dass da ein Zahnarzt auch in der Realität vielen Menschen nur beim Gedanken an den nächsten Besuch in dessen dentales Reich grässlichste Traumata bescheren kann, ist hinlänglich bekannt. Einen Horrorfilm daraus zu machen lag da praktisch auf der Hand. Die Idee zum Psycho-Zahndoc schrieben das Team Dennis Paoli und Stuart Gordon, die zusammen auch für Genreperlen wie „Re-Animator“, „From Beyond“ oder „Dagon“ ihre kreativen Kräfte bündelten. Der dritte im Bunde, Brian Yuzna („Faust: Love of the Damned“), der nicht wenige der Filme Gordons produzierte, sollte die Regie übernehmen.

Herausgekommen ist ein kleiner fieser Thriller, in dem es der gebürtige Philippine wieder mal auf die „feine Gesellschaft“ abgesehen hat, welche er seit seiner Erstarbeit „Society“ wiederkehrend immer wieder gerne, mal mehr mal weniger subtil, in seinen Werken kritisiert. Hier übernimmt dies Dr. Alan Feinstone (überzeugend: Corbin Bernsen, „Kiss Kiss Bang Bang“), der ein nahezu perfektes Luxusleben führt. Zu verdanken ist das seiner florierenden Zahnarztpraxis. Ob zu Hause oder auf der Arbeit, alles muss immer aseptisch sauber sein, sterilisierende Mittel, die immer in greifbarer Nähe sein müssen, sind für Klassik-Liebhaber Feinstone fast so wichtig wie der (gefilterte) Sauerstoff zum Atmen.

Als er aber eines Tages der Göttergattin Brooke (Linda Hoffman, „Face/Off“) dabei zuschauen darf, wie sie das Fortpflanzungsorgan des völlig verschwitzten, dreckigen und mit Bakterien verseuchten Poolboys genüsslich in ihren sonst so keimfrei gehaltenen Mund einführt, ist es vorbei mit der heilen Welt. Seine Vision des vollendeten Mikrokosmos erweist sich letzten Endes als Illusion und der Schutzwall seiner Bastion gegen das Unreine innerhalb der großen Welt des Schmutzes wurde durchbrochen. Der schlummernde Wahnsinn in Feinstone hat aber nur darauf gewartet, um endlich der kontaminierten Welt den Kampf ansagen zu können. Erstes Angriffsziel: All die verantwortungslosen notorischen Nicht-Zähneputzer. Denn sind nicht die Zähne der Spiegel der Seele?

Die Kritik an der heilen Welt der oberen 10.000 ist wie bereits erwähnt ein Motiv, welches Brian Yuzna zumindest in seinen frühen Filmen gerne verarbeitete. In „The Dentist“ können die Schranken der eigens kreierten teuren Traumwelt den schlummernden Wahnsinn (Feinstone) und amoralisches Verhalten (Brooke) nicht lange abwehren. Der immense Reichtum kann, welch Überraschung, doch nicht alles bieten und sei es wie in Brookes Fall auch nur die sexuelle Befriedigung. Dass aber Feinstone schon vor seinem Amoklauf nicht ganz dicht gewesen sein kann, zeigt bereits der fest verwurzelte Glaube an sein Luftschloss. Doch genug der amateurhaften Psychoanalyse!

Was bietet der Kieferorthopäden-Slasher denn sonst noch? Mit vier Opfern einen nicht gerade üppigen Bodycount (entgegen der Überbietungslogik von Fortsetzungen sterben im Sequel interessenterweise auch bloß vier Leute). Und auch der Splatter-Anteil hält sich, anders als es von Yuzna eigentlich zu erwarten gewesen wäre, in Grenzen. Aber wer will sich daran stören? Bernsens Spaß an der Sache ist unübersehbar und die Mitwirkung von Genreveteran Ken Foree („Zombie – Dawn of the Dead“) als Cop Gibbs sowie des damals noch unbekannte Mark Ruffalo („Shutter Island“) sorgt auch für kurzfristiges Aufblicken. Manch einer könnte natürlich vom typischen 90er-Videolook Zahnschmerzen bekommen, aber daneben ist „The Dentist“ eine grundlegend runde Sache. Wer allerdings schon beim Hören des Zahnarzt-Bohrers schweißnasse Hände bekommt, der sollte lieber dem Wallstreet-Yuppie oder dem Psychiater beim Meucheln zusehen. Alternativen bietet das Genre schließlich zur Genüge.

Wertung: (6 / 10)

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