The Crazies (USA/UAE 2010)

the-crazies-remakeIm Oeuvre George A. Romeros bedeutet der 1973 gedrehte B-Schocker „The Crazies“ kaum mehr als eine frühe Variierung des von ihm heraufbeschworenen Zombie-Mythos. Mit dem Unterschied, dass die plötzlich zu Raserei und Gewalt neigenden Einwohner einer US-Kleinstadt, bedingt durch den Absturz eines mit bakteriologischem Kampfstoff bestückten Flugzeugs, äußerlich unverändert blieben. Das Militär machte sich ohne Gnade an die Auslöschung von Infizierten und Unschuldigen. Inmitten des barbarischen Chaos wagte eine Gruppe Überlebender die Flucht.

An dieser Prämisse hat sich bei Breck Eisners („Sahara“) zeitgenössischer Neuauflage nichts geändert. Abgesehen von der wesentlichen Abweichung, dass die Crazies, wie die unberechenbaren Amokläufer genannt werden, eine Art Metamorphose durchlaufen, die sie mit hervorstechenden Blutbahnen und wahnsinnigen Gesichtsausdrücken deutlich von den Normalbelassenen abheben. Während Romero ungeschliffen und billig gegen den Krieg in Vietnam und die repressive Haltung der Nixon-Ära wetterte, begnügt sich Eisner mit überraschungsarmer und durchkalkulierter Konfektionsware.

Dass die trotzdem einigermaßen spannend und packend geraten ist, liegt neben der stimmigen Inszenierung an den Hauptdarstellern. „Deadwood“-Star Timothy Olyphant und Filmgattin Radha Mitchell („Rogue“) versuchen der unvermittelt über sie hereinbrechenden Hölle als David und Judy Dutton zu entkommen. Als Sheriff der landwirtschaftlichen Kommune erlebt er den Ausbruch der Katastrophe hautnah. Mit Deputy Russell (Joe Anderson, „Amelia“) und Nachbarin Becca (Danielle Panabaker, „Mr. Brooks“) entzieht sich das Paar dem militärischen Zugriff. Der Menschlichkeit wird mehr Raum gewährt. Die Figuren und ihre Entwicklung bleiben allerdings schematisch.

Die Perspektive der intervenierenden Soldaten, der sich Romero in gleicher Gewichtung wie den Einwohnern widmete, beschränkt sich auf Satellitenbilder. Ohne Gesicht bleibt die Staatsmacht ein emotionsloser Befehlsapparat, der die Möglichkeit einer Pandemie mit radikalen Maßnahmen ausschließt. Neben solch gelungenen Ansätzen stehen die Standarten. Für die Verrohung des Menschen in Extremsituationen dürfen militante Rednecks einstehen, die die Ladefläche ihres Trucks mit Leichen füllen. Die Schocks bleiben vorhersehbar, es fehlt der Mut zur Drastik. In seinen Eskalationen bleibt „The Crazies“ damit zu konventionell, um überzeugenderen Klassiker-Neuauflagen wie „Dawn of the Dead“ das Wasser reichen zu können.

Wertung: (6,5 / 10)

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