The Broken (GB/F 2008)

the-broken„The man in the apartment is not my boyfriend.“ – Gina

Manche Filme ziehen trotz offensichtlicher Makel in ihren Bann. Sean Ellis’ Mystery-Thriller „The Broken“ erzeugt mit geringem Aufwand eine ebenso düstere wie beklemmende Atmosphäre. Durch seine Parallelen – in Erzähldynamik und Auflösung – zur zweiten „Bodysnatchers“-Verfilmung von 1978 aber raubt Autor und Regisseur Ellis („Cashback“) dem Film seine Unberechenbarkeit. Zwar löst er die Hintergründe des Plots auch am Ende nicht auf, die dramaturgische Richtung jedoch lässt sich bereits frühzeitig erahnen.

Alles beginnt mit einer scheinbar harmlosen Beobachtung. Im Krankenhaus fällt der jungen Londoner Ärztin Gina McVey (zurückhaltend: Lena Headey, „300“) das Röntgenbild eines heterotaxischen Patienten auf, eines solchen, bei dem die Organe spiegelverkehrt angeordnet sind. Dies nicht ungewöhnliche, obgleich immerhin rare Phänomen bleibt kein Einzelfall. Szenenwechsel. Ginas Familie hat sich anlässlich des Geburtstags ihres Vaters (routiniert: Richard Jenkins, „Burn After Reading“) versammelt, als der große Wandspiegel plötzlich zu Boden fällt und zerbricht. Der damit verbundene Schreck ist erst der Anfang.

Tags darauf bemerkt Gina ihr exaktes Ebenbild am Steuer eines vorbeifahrenden Wagens. Sie folgt der mysteriösen Frau und entdeckt in deren Wohnung gar ein Foto von sich und ihrem Vater. Traumatisiert sucht sie das Weite und wird kurze Zeit später in einen folgenschweren Autounfall verwickelt. Sie erwacht mit Gedächtnislücken, wirkt verstört und scheint überzeugt, ihr Freund sei nicht mehr derselbe. Psychologe Zachman (unterbeschäftigt: Ulrich Thomsen, „The International“) versucht sie zu beruhigen. Nach derartigen Erfahrungen wären gestörte Realitätswahrnehmungen beileibe nichts Ungewöhnliches. Doch Gina weiß es besser.

Was folgt ist eine betuliche Wahrheitssuche, die über vage Andeutungen und vereinzelt intensive Schockmomente einer gelungenen, wenn auch recht kalkulierbaren Demaskierung von Identität und Erinnerung entgegenstrebt. Die Inszenierung erscheint betont subtil, wie ein fragmentarisches Mosaik, das auch am Schluss kein klar erkennbares Bild ergibt. In Anlehnung an Edgar Allen Poe drängt Ellis auf eine Ebene des Psychologischen, stellt das Sein infrage und destilliert Spannung aus entfremdenden Bildmontagen und einem ausgefeilten Sounddesign. Die Form mag dem Inhalt dabei überlegen sein. Als eigenwillige Variierung konventioneller Schemata bleibt „The Broken“ aber sehenswert.

Wertung: (6,5 / 10)

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