The Bouncing Souls – Ghosts on the Sidewalk (2010, Chunksaah Records)

the-bouncing-souls-ghosts-on-the-boardwalkAde Spaßkapelle. Nach „The Gold Record“ (2006) erfuhr der Stil der BOUNCING SOULS einschneidende Veränderungen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum bis zum Nachfolger „Ghosts on the Boardwalk“ vier Jahre ins Land gingen. Allerdings besteht die Platte ausschließlich aus digital veröffentlichten Singles, die das Quartett anlässlich des 20-jährigen Jubiläums 2009 in monatlichem Turnus präsentierte. Darüber hinaus wurde je Quartal eine 7″ mit den drei vorangegangenen Monatsbeiträgen sowie einem Exklusiv-Track herausgebracht. Auf ihrem achten Langspieler finden sich die 12 regulären Songs in veränderter Reihenfolge. Sie beweisen eindeutig, dass die Zeit des verschmitzten Vorwärtspreschens ein Ende gefunden hat.

Eilig haben es die BOUNCING SOULS längst nicht mehr. Der härteste (und offensiv ironischste) Beitrag „Badass“ ist der einzige, der unter der Marke von drei Minuten ins Ziel gelangt. Ein Nachteil ist das nicht, denn der entschleunigte Punk mit partiell bluesiger Note benötigt die veranschlagte Zeit zur Entfaltung. Das verdeutlichen mal lässige, mal schwelgerische Nummern wie der Titeltrack, „I Think That the World“, „Airport Security“ oder „Boogie Woogie Downtown“. Bei „The Mental Bits“ kommen gar Mundharmonika und Tamburin zum Einsatz, während „Like the Sun“ auf Orgelunterstützung setzt. Dass zwischen Mid-Tempo und ausgeprägt rockiger Färbung aber nicht auf Energie und Chöre verzichtet werden muss, verdeutlicht neben „Gasoline“ und „Dub Says True“ vor allem das programmatisch betitelte „We All Sing Along“.

„Never Say Die/When You’re Young“ wirkt bis zur Halbzeit wie ein Rock ‘n Roll-beeinflusstes Abbild früherer Werke, hält dann aber plötzlich inne und läuft auf gemächlichen Pfaden aus. Die Atmosphäre stimmt und die zunehmend melancholische Prägung erweist sich als stimmungsvoller Zugewinn. Die-Hard-Fans ihrer alten Platten dürften den gereiften BOUNCING SOULS jedoch weniger abgewinnen können. Denn Stücke wie die halb-akustische Ballade „Big Eyes“ hätte es zu „Kate is Great“-Zeiten nicht gegeben. Trotzdem ist „Ghosts on the Boardwalk“ eine gefällige Scheibe, die nicht allein den Horizont ihrer Urheber erweitert. Ungewohnt ist allein die Zeit, die sich der Hörer nehmen muss, um sie in all ihren Ausprägungen zu erfassen.

Wertung: (7 / 10)

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