The Bouncing Souls – Comet (2012, Rise Records/Chunksaah Records)

the-bouncing-souls-cometAuch die BOUNCING SOULS mussten irgendwann erwachsen werden. Zügig durchgepeitschte Punk-Klopper schienen nach mehr als 20 Jahren des Bestehens nicht länger angemessen. „Ghosts on the Boardwalk“ markierte den Wandel hin zu schwermütigeren Strukturen, die neben einem deutlich rockigeren Fundament auch unterschwellige Elemente des Blues einfließen ließen. Mit dem folgenden „Comet“, bei dem die US-Ostküstler erstmals mit Rise Records kooperierten, gingen sie diesen Weg weiter – wenn auch mit größerem Fokus auf einen Sound, der neben dem kleinen Club auch in den großen Hallen Eindruck schindet. Daran nicht unbeteiligt ist Punk-Veteran Bill Stevenson (DESCENDENTS), der die Platte im legendären Blasting Room produzierte und die Band druckvoller denn je aus den Boxen schießen lässt.

Mit „Baptized“ legen die BOUNCING SOULS vielversprechend kernig los, wobei auf mehrstimmige Gesangsparts und gestandene Hymnenhaftigkeit nicht verzichtet werden muss. Nur die Ironie scheint ihnen zugunsten einer zart nachdenklichen Färbung endgültig abhandengekommen zu sein. Mit „Fast Times“ schalten sie anschließend einen Gang zurück, ohne die Eingängigkeit zu vernachlässigen. Die Abkehr von der früheren Unbekümmertheit veranschaulicht in der Folge „Static“, das ein wenig düsterer daherkommt und Erinnerungen an die STREET DOGS zu „State of Grace“-Zeiten weckt. Der bis dahin positive Eindruck erfährt mit der mäßig aufregenden Ballade „Coin Toss Girl“ darauf eine erste Trübung, bevor das mit fast fünfeinhalb Minuten dezent ausufernde, nach hinten heraus aber durchaus packende Titelstück Sehnsucht an die Rasanz ihrer alten Langspieler weckt.

Ein wenig Abhilfe schafft das zügig abgehandelte „We Love Fun“, das mit Textzeilen wie „We love fun, we’re going out and having some, ’cause being sad is really dumb“ an die ihnen früher wie selbstverständlich anhaftende Unbekümmertheit anknüpft. Danach kehren die BOUNCING SOULS zur gefällig punkigen Rockigkeit („Infidel“, „DFA“) zurück, um auf der Zielgeraden noch einmal eine Extraportion Melancholie und Entschleunigung abzurufen („In Sleep“, „Ship in a Bottle“). Als erfrischend ist die Wandlung der Ex-Spaßkapelle aus New Jersey nicht gerade zu erachten. Ihre Musik ist eine Spur schwerer zugänglich geworden, was zunächst gänzlich wertfrei verstanden werden möge. Denn „Comet“ ist ein ansprechendes Album geworden. Allerdings auch eines, dem es an nachhaltiger Begeisterungsfähigkeit mangelt.

Wertung: (6,5 / 10)

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