The Black Elephant Band – Pop Smears (2019, 9 pm Records/30 Kilo Fieber Records/Broken Silence)

Der Tiefsinn hat einen Namen: THE BLACK ELEPHANT BAND. Dahinter verbirgt sich jedoch kein Zusammenschluss beflissener (oder elefantöser) Musiker, sondern Singer/Songwriter (sowie Autor) Jan Bratenstein. Als Teil des Künstlerkollektivs „Folks Worst Nightmare“ repräsentiert der Nürnberger eine Genre-Spielart, die zwischen Blues und Blödsinn sympathisch nah an der Kleinkunst residiert. 

Bereits „The Wow“, der Opener seines vierten Streichs „Pop Smears“, hebt die Stimmung beträchtlich. Schuld sind Textzeilen wie diese: „Love will only kick you in the balls. Love will kick you in the balls again. Love will kick you in the balls a third time maybe, but you never really know just when. Love will stop kicking you in the balls, and then you gonna have to say wow wow wow wow wow.” Und natürlich die weitgehende Reduktion des selbsterklärten „Angry Anti-Folks“ auf Stimme und Akustikgitarre.

Die 19 (!) auf „Pop Smears“ verewigten Songs bieten meist kurze Geschichten über Erfahrungen – oder das Leben an sich („Lovethigh Neighbors“, „I Won’t Buy Your CD“). Am besten ist THE BLACK ELEPHANT BAND jedoch immer dann, wenn es humanistisch wird („I Am a Human Being“). Oder linksgrünversifft politisch („Elephant Caught On Tape“, „Pride = Shite“). Ach was, gerade die überspitzt nerdigen Tracks („Freak Magnet“, „The Flood“, „Bad Writers“) machen gewaltigen Spaß. Bestes Beispiel: „Michael Keaton“, bei dem Bratenstein die verschiedenen Verfilmungen um Superhelden-Flattermann Batman seziert.

Bei „Berlin Cops“ wird zwischendurch im Quasi-Bandverbund dem Garagen-Punk gehuldigt. Daneben kommen Stromgitarre, Bass und Schlagzeug nur punktiert zum Einsatz – etwa bei „Stuck In the Rock N Roll Office“. In bester Bob-Dylan-Manier wird auch die Mundharmonika zur klangfarbigen Untermalung konsultiert. „Pop Smears“ ist vom DIY-Ansatz über die eigenwillig wandlungsreiche Stimme bis hin zu den herrlich formulierten Texten eine großartige Platte. Nicht zu vergessen die Giraffe auf dem Cover. Weil schwarzer Elefant und so. Auch damit kommt dieser umwerfende Gegenentwurf zum klassischen Folk davon. Fast wie Batman. Außer er wird von George Clooney gespielt.     

Wertung: (8 / 10)

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