Terrorgruppe – 1 World – 0 Future (2000, Epitaph Records)

terrorgruppe-1-world-0-futureDie 90er waren für den Punk-Rock ein goldenes Jahrzehnt. GREEN DAY und THE OFFSPRING katapultierten die Kunst der überschaubaren Akkorde ins Bewusstsein des Mainstreams und bescherten dem Independent selten erlebtes Augenmerk. Davon profitierten Labels wie Fat Wreck und Epitaph. Zweitgenannte Plattenschmiede, gegründet von BAD RELIGION-Gitarrist Brett Gurewitz, verbuchte mit dem OFFSPRING-Hitalbum „Smash“ den größten Erfolg ihrer Geschichte. In der Folge standen die Zeichen auf Expansion. In den Niederlanden wurde eine Zweigstelle eröffnet, die neben ansässigen Combos wie I AGAINST I auch die deutschen Vertreter BEATSTEAKS und TERRORGRUPPE unter Vertrag nahm.

Deutschsprachiger Punk-Rock bei einem amerikanischen Label? WIZO hatten es vorgemacht, deren Klassiker „Uuaarrgh!“ über Fat Wreck erschien. Bei „1 World – 0 Future“, ihrem einzigen Album bei Epitaph, setzten die Berliner – wie die Sindelfinger Vorreiter – auf einen Mix aus deutschen und englischen Texten (inklusive Übersetzung im Booklet).  Dass die TERRORGRUPPE nicht allein in ihrer Muttersprache überzeugen kann, bewies sie im selben Jahr mit „Stay Away From the Good Guys“, dem Soundtrack zum Film „Oi! Warning“. Auf die Platte schaffte es die erstklassige Nummer lediglich bei erweiterten Re-Releases. Dufte Songs, egal in welcher Sprache, fährt die Scheibe trotzdem in beachtlicher Folge auf.

Nach kurzem Intro, bei dem das Mantra der einen Welt mit keiner Zukunft auf die Mängel der modernen Gesellschaft vorbereitet, gerät der Beginn furios: „Enemy No. 1“ ist ein melodischer Punk-Rock-Klopper mit Tempo und hymnischem Refrain, der zu zeitgenössischen Genre-Releases – „What is Wrong with the Americans“ erinnert nicht von ungefähr an NOFX – passt wie die Faust aufs Auge. Noch besser wird es mit dem folgenden „Allein gegen alle“, das angesichts der gegenwärtigen Furcht vor Überfremdung – Pegida, AfD und CSU lassen grüßen – bedauerlicherweise aktueller denn je erscheint. Auch „Das war ihr Leben“, „Steiner III“ oder „Destroy the Krauts“ gehen gut ins Ohr. Viel zu meckern gibt es da nicht.

Der Rest ist amüsant, bisweilen aber auch schlicht belanglos. Neben „Weltuntergang“ zeigt das insbesondere der ironische Reggae-Langweiler „Esoterik Lied“. Das Gros der 15 Tracks, unter die sich mit „Pequeno Pero Malo“ auch wieder einer in spanischer Sprache mischt, überzeugt jedoch und die Botschaften sind TERRORGRUPPE-typisch in augenzwinkernde Simplizität gehüllt. Rückwärtsgesprochene Einspieler („Das war Satanisch!“) und ein Hidden Track der MARS MOLES runden das Ganze ab. An Reiz hat die Scheibe über die Jahre damit kaum verloren. Die deutsche Sicht auf die Welt kann eben auch über die Landesgrenzen hinaus Spaß bereiten.

Wertung: (7,5 / 10)

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